Gekreische um die Boy-Group Podolski, Schweinsteiger und Lahm. Sie sind die Lieblinge der Teenies.
BERLIN. Dicht aneinander gepresst rütteln Anne und ihre Freundinnen am Gitter. Lauthals schreien sie, dass es die Abendstille der Brahmsstraße im Berliner Villenviertel Grunewald zerreißt: "Wir wollen die Mannschaft sehen, wir wollen den Poldi sehen." Die 13-, 14-Jährigen sind die Cheerleader unter Dutzenden Fans, die Stunden vor dem Hotel des deutschen Teams ausharren, um ihre Lieblinge zu sehen. Väter, Mütter, Kinder belagern die Einfahrt. Immer mehr neugierige Spaziergänger, Jogger, Radfahrer mischen sich, angelockt vom Lärm, unter die Kiebitze.
Plötzlich kommt Bewegung in die Menge. Eine Limousine mit abgedunkelten Scheiben fährt vor. Als DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder aussteigt, geht ein Raunen der Enttäuschung durch die Schar. Weil aber eben sonst niemand da ist, begnügen sich die Autogrammjäger mit der Signatur Meyer-Vorfelders. Später gibt Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt den Lückenbüßer - und noch später der Reservestürmer Mike Hanke, der bei der WM bisher noch keine Minute gespielt hat. "Wie heißt der denn?", fragt eine Mutter ihren Sohn.
Auf dem Balkon zeigt sich jemand. "Herr Ballack", ruft einer aufs gerate Wohl. "Ballack und Kahn lassen sich hier selten blicken", erzählt er. Um den Bauch von Viktor Diaz, eines zu DDR-Zeiten eingewanderten Kubaners, spannt sich das deutsche Trikot. Ehrensache, dass er Deutschland die Daumen drückt - das Fußball-Entwicklungsland Kuba hat die WM-Qualifikation verpasst.
Norman Kalb, ein Physiotherapeut, ist beeindruckt von der Fitness und der mentalen Stärke, die Klinsmann der Mannschaft eingeimpft hat. Die Spieler sind tatsächlich motiviert bis unter die Haarspitzen, strotzen vor Selbstbewusstsein und im Training ließen sie zuletzt die Muskeln samt Tattoos spielen. "Aber vielleicht kommt die WM noch zu früh", analysiert Kalb. "Morgen kann alles schon aus sein - gegen Argentinien." Da fliegt die Tür auf, ein Kreischen hebt an - Lukas Podolski schlapft in "Adiletten" heran. "Lukas, wir lieben dich", tönt es.
Wie einem Popstar recken sich ihm Hände und Foto-Handys entgegen, und "Poldi" krakelt geduldig und mit konzentrierter Miene seine Unterschrift auf Schmierzettel, Fußbälle - und auf das Leiberl eines Babys, dessen Hinterkopf er lächelnd tätschelt. "Na siehste, hat sich doch gelohnt", sagt eine Mutter zur Tochter. Doch die Teenies sind noch nicht zufrieden. "Schweini", "Philipp", skandieren sie, und eine findet: "Der Lahm, der ist so süß."