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Verkehr

Grüne setzen Klimaticket durch

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Umweltministerin Gewessler hat ihr Klimaticket durchgesetzt.(c) imago images/Volker Preu�er (Volker Preusser via www.imago-im)
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Das erste grüne Prestigeprojekt ist fixiert. Das österreichweite Ticket für den öffentlichen Verkehr kommt. Auch Wiens SPÖ-Bürgermeister Ludwig willigte ein. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler hat hoch gepokert – und gewonnen.

Am Ende wollte keiner der Spielverderber sein. Auch nicht der Wiener SPÖ-Bürgermeister, Michael Ludwig. Er war es, der die Verhandlungen über ein österreichweites Ticket für den öffentlichen Verkehr lang torpedierte. Denn für die Wiener ging es neben dem Geld auch ums Prinzip. Ende Juni hatte ihnen die grüne Verkehrsministerin, Leonore Gewessler, bekanntlich ausrichten lassen, dass sie den Bau des Lobau-Tunnels neuerlich prüfen lässt und die Röhre alles andere als fix sei.
Damals sprachen viele von einer Retourkutsche Gewesslers. Nämlich dafür, dass Ludwig nicht mehr mit den Grünen, sondern mit den Neos die Stadt regiert. Faktum ist: Die nächste Retourkutsche ließ nicht lang auf sich warten. Die Wiener SPÖ stand plötzlich beim grünen Prestigeprojekt österreichweites Klimaticket auf der Bremse. Willkommen in der österreichischen Realpolitik.

Doch Gewessler nahm diesen Willkommensgruß aus der Hauptstadt an. Wien bildet gemeinsam mit Niederösterreich und dem Burgenland den Verkehrsverbund Ostregion (VOR), in dem rund 60 Prozent aller heimischen Fahrer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Und in St. Pölten und Eisenstadt will man sich natürlich nicht vorwerfen lassen, dass man hier parteipolitische Machtpolitik auf Kosten der Pendler vollzieht. Wiewohl auch der burgenländische Landeshauptmann, Hans Peter Doskozil, lange Zeit ein großes Problem mit den Plänen der Klimaschutzministerin hatte. Er sah eine Benachteiligung der Burgenländer, weil diese auf dem Weg nach Wien zwei Bundesländergrenzen überschreiten müssen und so in eine höhere Ticket-Kategorie fallen würden.

Einigung – auch auf Regionaltarife

Mitte August pokerte Gewessler jedoch hoch, stellte sich gemeinsam mit dem wahlkämpfenden oberösterreichischen Landeshauptmann, Thomas Stelzer (ÖVP), vor die Kameras und präsentierte das „österreichweite Klimaticket“ ab 26. Oktober. Dass von „österreichweit“ keine Rede sein konnte, war damals allen klar. Es fehlte der bevölkerungsreiche Osten. „Wir sind leider noch nicht fertig“, sagte Gewessler und verwies auf 40 erfolglose Verhandlungsrunden.

Nun ging es wenige Tage vor Beginn des Vorverkaufs doch ganz schnell. Am Mittwoch wurde bekannt, dass sich Gewessler mit dem VOR geeinigt hatte. Und zwar nicht nur darüber, dass der Osten beim österreichweiten Ticket mitzieht. Auch die umstrittenen Regionaltarife stehen fest. Zur Erinnerung: Ursprünglich hätte die nun als „Klimaticket Now“ propagierte Netzkarte „1-2-3-Ticket“ heißen sollen. Es sollte also möglich sein, dass um einen Euro pro Tag (365 Euro/Jahr) in einem Bundesland, um zwei Euro pro Tag (730 Euro) in zwei Bundesländern und um drei Euro pro Tag (1095 Euro) in ganz Österreich sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel genutzt werden können. Doch die Bundesländer konnten diese Preise nicht abbilden. So wird das Ticket in der Steiermark nicht wie in Wien 365, sondern 588 Euro kosten.

Mitreden: Was bringt das Klimaticket?

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Laut Informationen der „Presse“ wird ein Bundesländerticket für Niederösterreich und das Burgenland 550 Euro pro Jahr kosten. Die beiden Bundesländer pochen nämlich darauf, verkehrspolitisch als eine Region gesehen zu werden. Denn sonst hätten Burgenländer, die durch Niederösterreich nach Wien pendeln, das teure österreichweit geltende Dreier-Ticket kaufen müssen, während Pendler aus dem Waldviertel doppelt so weit, aber wesentlich günstiger unterwegs sind.

Und schließlich führen die drei östlichen Bundesländer noch ein eigenes Ticket für den VOR ein. Es kostet 900 Euro im Jahr und ist somit etwas günstiger als das österreichweite Ticket, das 1095 Euro kostet. Übrigens: Für Frühbucher gibt es die rot-weiß-rote Karte zum Einstiegspreis von 949 Euro. Dieser Preis gilt von Anfang bis Ende Oktober. Für alle unter 26 und für Senioren gibt es eine Ermäßigung auf 821 Euro. Auch hier gibt es zur Einführung 15 Prozent Rabatt. Die Karte kostet bis 31. Oktober also 699 Euro.

Für viele Pendler und Reisende wird das Klimaticket eine enorme finanzielle Erleichterung darstellen. Denn bisher kostet allein das Österreich-Ticket der ÖBB knapp 2000 Euro im Jahr. Nach Berechnungen des Ministeriums werden etwa 100.000 Menschen auf das neue bundesweite Ticket umsteigen.

Mehrkosten für die öffentliche Hand

Bleibt die Frage: Wer bezahlt die günstigeren Tarife? Die entgangenen Erlöse wird der Bund den Verkehrsbetrieben und -verbünden ersetzen. 245 Millionen Euro hat das Ministerium für die ersten zwei Jahre als Budget veranschlagt. Die Einnahmen aus den Ticketverkäufen werden mit 100 Millionen Euro kalkuliert. Je nach Bundesland fallen durch die günstigeren Tarife unterschiedliche Mehrkosten an. In Niederösterreich, dem Land mit dem höchsten Pendleranteil, verursacht das Klimaticket nach früheren Angaben des Verkehrslandesrats, Ludwig Schleritzko, Kosten von 176 Millionen Euro.

Natürlich musste Gewessler ebenfalls Zugeständnisse machen, um das grüne Vorzeigeprojekt endlich umsetzen zu können. Ursprünglich wollte sie mit der Stufe 3, dem österreichweiten Ticket, vorpreschen, und alles weitere später verhandeln. Doch die Bundesländer verlangten mehrheitlich, dass bereits vor der Einführung der Stufe 3 zumindest im Grundsatz geklärt wird, wie die Regelungen auf regionaler Ebene aussehen.