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Geocaching: Schatzsucher bringen Geld

Geochoaching Schatzsucher bringen Geld
(c) AP (Jim Craven)
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Was als Hobby für Technik-Freaks begonnen hat, ist heute ein Wirtschaftsfaktor nicht nur für Navi-Spezialisten. Daher bemühen sich immer mehr Tourismusorganisationen, die Schatzjäger in ihre Region zu locken.

Geocaching ist nicht nur ein spannendes Freizeitvergnügen für Outdoor-Enthusiasten, die elektronische Schatzsuche mittels GPS (siehe Kasten) entwickelt sich auch immer mehr zu einem interessanten Wirtschaftsfaktor. Laut einer Studie der Universität Münster gehört der typische (deutsche) Geocacher einer gebildeten und mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 3200 Euro vor allem auch finanzkräftigen Schicht an. Daher bemühen sich immer mehr Tourismusorganisationen, die Schatzjäger in ihre Region zu locken.

So setzt etwa das Ötztal in Tirol verstärkt auf Geocaching-Touristen und auch Niederösterreich versucht, mit eigenen Caching-Aktionen auf der Homepage des Landes technikaffine Ausflügler in den Bann zu ziehen. Denn laut besagter Studie ist für echte Geocacher die Anzahl von Schätzen an ihrem Urlaubsort ein wesentliches Kriterium für die Auswahl der Destination.

Und die Zielgruppe, um die es hier geht, ist größer, als man denkt: Derzeit sind allein in Österreich rund 45.000 Geocacher registriert, dazu kommen jede Menge ausländischer Schatzsucher, die im Urlaub oder auf der Durchreise ihre persönliche Fundstatistik in die Höhe treiben wollen.

 

Handy oder Spezial-Navi?

Und auch wenn es um die Ausrüstung der Cacher geht, klingelt die Kasse: So kostet beispielsweise die Software, um ein GPS-taugliches Handy für die digitale Schnitzeljagd zu tunen, im Schnitt 25 bis 30 Euro. Der Vorteil der Schatzsuche per Handy ist der mobile Zugriff auf das Internet, sodass der Benutzer nicht schon daheim die Koordinaten und Rätseln ausdrucken muss, sondern unterwegs auch eine spontane Caching-Session starten kann, allerdings hält der Handy-Akku im GPS-Betrieb meist nicht lange durch. Eingefleischte Cacher bevorzugen deshalb „reinrassige“ GPS-Geräte, die für den harten Outdoor-Einsatz konzipiert sind, und problemlos mehrere Stunden durchhalten.

Wobei die Hersteller zusehends auf die speziellen Bedürfnisse der Schatzsucher eingehen. Der Magellan eXplorist GC Geocaching etwa ist für ein papierloses Geocaching optimiert – der Speicher von einem Gigabyte reicht laut Hersteller für bis zu 10.000 Caches. Das Gerät kostet knapp 200 Euro.

Auch der GPSmap 62 von Garmin ist mit eigenem Speicher und einer Software für die Schnitzeljagd gerüstet. Der Vorteil bei diesem, je nach Ausstattung ab 400 Euro erhältlichen Gerät: Es lässt sich auch als „normales“ Navi benutzen, führt den User also auf den Straßen in die Nähe des Schatzes, und hilft ihm dann gleich bei der Orientierung im Gelände weiter. Herkömmliche Navis sind für die Outdoor-Schnitzeljagd übrigens kaum geeignet. Zwar geben einige Modelle auch GPS-Koordinaten an, abseits der Straßen fehlt aber das notwendige Kartenmaterial.

Etwas umstritten ist bei den Schatzjägern der Peilsender „Chirp“, ebenfalls von Garmin, der etwa so groß wie eine Zwei-Euro-Münze ist, an einem Geocache befestigt wird, und dann permanent ein schwaches Funksignal ausstrahlt. Kommt ein Cacher mit einem kompatiblen GPS-Empfänger in die unmittelbare Nähe des Schatzes, schlägt dieser an und führt den Abenteurer punktgenau an sein Ziel – für eingefleischte Schatzsucher ein wenig zu einfach.

Mit einer Knopfzelle soll Chirp ungefähr ein Jahr lang vor sich hin zirpen. Ob sich diese neue Variante der Schatzsuche durchsetzen wird, ist auch aus finanzieller Sicht fraglich: Wer gibt schon 25 Euro für ein Gerät aus, das jederzeit vom nächsten Passanten eingesteckt werden kann?

 

Hinweise mit UV-Licht

Eine spezielle Variante sind auch sogenannte Night Caches – irgendwo in der Landschaft versteckte Minireflektoren blitzen auf, wenn sie vom Lichtstrahl einer starken Taschenlampe getroffen werden, und weisen so dem Schatzsucher den Weg. Besonders knifflig sind dabei Markierungen, die nur in ultraviolettem Licht sichtbar werden. Spezialtaschenlampen wie etwa die UltraFire WF-501B UV sind in den einschlägigen Geocaching-Shops für etwa 25 Euro zu bekommen.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.geocaching.at

Info Geocaching

Die elektronische Schatzsuche per GPS, neudeutsch „Geocaching“, funktioniert so: Irgendwo an einem historisch oder landschaftlich interessanten Ort wird eine kleine Box mit Logbuch oder Souvenirs versteckt, deren Koordinaten plus Hinweise im Internet veröffentlicht werden. Wer den Schatz findet, trägt sich in das Logbuch ein und legt die Box zurück. Ehrenkodex: Herausgenommene Souvenirs werden durch andere ersetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2010)