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Skiverband

„ÖSV-Präsidentin? Das ist Kaffeesud lesen“

APA/BARBARA GINDL
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Roswitha Stadlober, 58, leitet nach Karl Schmidhofers Rücktritt des ÖSV. Ob die Ex-Slalomfahrerin mehr als nur eine Interimslösung ist, hängt bloß von allen Landespräsidenten ab.

Radstadt. Auch Roswitha Stadlober ist vom plötzlichen Rücktritt von Karl Schmidhofer als ÖSV-Präsident nach nur 100 Tagen im Amt überrascht. Er will seinem Sohn beiseite stehen, der einen Schlaganfall erlitten hat, Schmidhofer gibt der Familie den Vorzug gegenüber dem Skiverband. Weil es Statuten gibt und ein neuer Präsident erst gefunden und gewählt werden muss, wurde eine Interimslösung installiert. Stadlober, die seit 2011 und damit längst-dienende Funktionärin in der Führungsriege des Skiverbandes ist, übernimmt. Wie lange? Oder bleibt sie gar?

Die Aufregung in der Sportfamilie ist jedenfalls immer groß. Alois Stadlober ist Österreichs Loipen-Guru, er trainiert auch Tochter Theresa, die beste Langläuferin des Landes. Und, alle stehen Roswitha Stadlober zur Seite.

„Sind alle dafür, dann . . .“

„Ich möchte zum Ausdruck bringen, dass das wirklich sehr tragisch ist, und ich der Familie Schmidhofer das Beste wünsche und hoffe, dass es wieder so werden wird wie es einmal war“, sagte Stadlober. Sie selbst habe Donnerstagfrüh von diesem Schicksalsschlag und seinen Konsequenzen erfahren. „Karl hat mich gebeten, das zu machen und ich bin dem nachgekommen.“ Nun gelte es, einen Termin für eine Präsidentenkonferenz zu finden, was aufgrund der Kurzfristigkeit nicht sei. „Vielleicht schaffen wir es kommende Woche, sonst die Woche drauf.“ Da soll das Präsidium samt aller Landespräsidenten dabei sein.
Da müssen jedoch bereits die Weichen gestellt werden, nicht nur weil der Olympia-Winter naht – der Auftakt steigt am 23. Oktober in Sölden mit dem Damen-RTL – sondern die Zeit auch auf bürokratischer Vereinsebene drängt. Möglichkeiten gibt es laut Satzung zwei: sofortige Neuwahlen – oder Stadlober bleibt gleich bis zur nächsten Länderkonferenz im Juni 2022 im Amt. „Wenn die Gremien einstimmig dafür sind, dass ich das machen soll, dann stehe ich zur Verfügung, auch bis zum Juni.“

Keine Rede ist mehr von einer gewissen Amtsmüdigkeit wie im vergangenen Frühjahr. „Es war so, dass ich nach zehn Jahren gedacht habe, es wäre Zeit, an einen Wechsel zu denken“, gesteht die frühere Slalomfahrerin.

Jeder hat jetzt seine Aufgaben

„Heuer im Frühjahr hat sich einiges verändert. Die Personalien haben sich verändert und ich wurde ersucht, dem Präsidium weiter anzugehören. Mit den neuen Aufgaben, die ja jetzt jeder Vizepräsident auch hat, ist es wieder eine neue Herausforderung geworden.“ Sie habe nun unmittelbar auch sportliche Bereiche über, Biathlon, Langlauf, Skibergsteigen und die Ausbildung sind ihre Agenden. Daran ändere sich auch in der neuen Situation nichts. Ob sie es sich vorstellen könne, die erste Frau an der Spitze des ÖSV zu bleiben? „Das ist Kaffeesud lesen. Ich leite das jetzt einen Tag. Vorstellen kann man sich da noch alles.“ Stadlober hat nicht Nein gesagt.

Keinesfalls will sie eine ähnliche Stimmung wie im Vorfeld der Wahl von Schmidhofer mittragen. „Es war ein Kampf und mit einem Kampf will ich nichts zu tun haben, weil Kampf ist nie schön. Man sollte die Werte in den Vordergrund stellen, eine Kultur entwickeln. Wir wollen alle das gleiche, da hat Kampf keinen Platz. Das ist mir ganz wichtig, da eine gewisse Kultur hineinzubringen und auch zu leben.“ Diese neue Kultur sei in den ersten 100 Tagen der Präsidentschaft Schmidhofers spürbar gewesen. „Deshalb gab es ja eine Aufbruchstimmung. Es war für alle motivierend.“ Sie lobte die Verdienste von Peter Peter Schröcksnadel und Generalsekretär Klaus Leistner, bei einem Wechsel gäbe es aber immer notwendige Veränderungen.

Mit Hirscher im Skipool? Geipmft zu Olypmia?

Entscheidungen sind bereits einige zu treffen. Noch abwartend sei der ÖSV in der Frage der Impfungen für die Winterspiele 2022 in Peking. Die 21 Tage dauernde Quarantäne für Nicht-Geimpfte sei Abschreckung genug, sagt Stadlober. „Da werden wir schauen, wer sich das antut.“ Die Durchimpfungs-Rate im ÖSV kenne sie nicht.

Offen zeigt sich Stadlober auch in Bezug auf eventuelle Neuzugänge im Austria Ski Pool – anlässlich des eben präsentierten Skiprojekts von Marcel Hirscher. „Wenn es dem Skiverband nützt und damit Erfolge eingefahren werden können, warum nicht? Ich glaube, man darf nichts verschließen.“

Was hat der ÖSV aus seiner Vergangenheit gelernt? Was will der Skiverband besser oder anders machen? Stadlober grinst. Sie hat sicherlich einen Plan parat. (dat)

(APA/Fin)