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Österreich

Die vielen Facetten der hohen Inflation

Archivbild aus der Wiener Mariahilfer Straße. Und auch in der Gastronomie könnten die Konsumenten künftig noch tiefer in die Tasche greifen müssen.
Archivbild aus der Wiener Mariahilfer Straße. Und auch in der Gastronomie könnten die Konsumenten künftig noch tiefer in die Tasche greifen müssen.Die Presse/Clemens Fabry
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Die Verbraucherpreise setzten ihren starken Anstieg nicht mehr fort. Doch da kann noch einiges kommen.

Wien. Auch wenn Notenbanker zuletzt gebetsmühlenartig betonten, dass der Anstieg der Verbraucherpreise vorübergehend sei, muss man sagen: Höhere Inflationsraten werden uns wohl noch etwas länger erhalten bleiben als gedacht. Zumindest so lang, bis diese Krise endgültig ausgestanden ist.

Zwar setzte sich der „im Frühjahr begonnene starke Anstieg der Inflationsrate“ im September (voraussichtlich plus 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat) für Österreich nicht mehr fort, wie die Statistik Austria am Freitag mitteilte. Doch ob es dabei bleibt, ist fraglich. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo wird seine Inflationsprognose am kommenden Freitag jedenfalls nicht nur für heuer, sondern auch für 2022 nach oben anpassen. Denn eines hatte bis vor Kurzem noch niemand so wirklich auf dem Radar: die stark anziehenden Strom- und Gaspreise. Erst am Freitag markierten die europäischen Gaspreise ein neues Rekordhoch, was auch die EU-Finanzminister auf den Plan ruft. Sie wollen am Montag und Dienstag über die Situation beraten.

Wifo-Ökonom Josef Baumgartner rechnet damit, dass sich die Energiepreissteigerungen auch hierzulande – und zwar am Jahresende oder zu Beginn des kommenden Jahres – bemerkbar machen werden. Noch spüre man die Auswirkungen nicht so stark, da die heimische Tarifstruktur im europäischen Vergleich anders gelagert sei, etwa weil es lang bzw. fix vereinbarte Lieferverträge gibt. Doch erwartet der Experte, dass die Landesenergieversorger früher oder später durchaus an ihren Tarifen schrauben werden.

Während also der Einfluss von Mineralölprodukten auf die Inflation im vierten Quartal einen Höhepunkt erreichen und dann ablaufen sollte, werden „die anderen Energiepreise das Kommando übernehmen“, sagt Baumgartner.

Ein Bereich, der ebenfalls noch einen Preisauftrieb erwarten lässt, sind die industriellen Güter, die immerhin einen Anteil von rund 28 Prozent im Inflations-Warenkorb ausmachen. Lieferverzögerungen (die es nach wie vor gibt) und hohe Rohstoffpreise würden sich bald in den Konsumentenpreisen niederschlagen. „Ich erwarte, dass das noch im Herbst sichtbar wird“, so der Experte.

Was noch dazu kommt: Schon jetzt merke man etwa im Elektronikbereich, dass es aufgrund des Chipmangels weniger Ware gebe und diese oft später geliefert werden kann. Im Weihnachtsgeschäft, wo die Nachfrage traditionell hoch ist, könnte das spürbar werden. „Es würde mich wundern, wenn das nicht der Fall wäre.“
Bei den Erzeugerpreisen ist die Inflation schon angekommen, dort gab es zuletzt ein Plus von zwölf Prozent.

Und auch in der Gastronomie könnten die Konsumenten künftig noch tiefer in die Tasche greifen müssen. Um der Branche zu helfen, führte Österreich am 1. Juli des Vorjahres einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von fünf Prozent ein. Diese Vergünstigung wird am Jahresende auslaufen und sie wurde – anders als in Deutschland – nicht an die Konsumenten weitergegeben. Weil die Ertragslage der Branche aber nach wie vor angespannt sei, ist davon auszugehen, dass sich Wirte ihre vergangenen Einnahmenausfälle bei den Gästen über höhere Preise zurückholen. Da die Konsumenten nach wie vor ausgehungert seien, „werden die Leute die höheren Preise auch bezahlen“, glaubt Baumgartner.

Die auch in Österreich angedachte CO2-Bepreisung wird wohl ebenfalls einen Effekt auf die Inflationsrate haben. Wie groß dieser sein wird, ist nicht abschätzbar, weil die Regierung noch keine Details bekannt gegeben hat. In den nächsten Tagen will sie der Öffentlichkeit ihre Vorschläge zu einer ökosozialen Steuerreform unterbreiten.