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Kunsttherapie

Vehikel für die Reise ins Innere

Der künstlerisch-kreative Prozess soll in der Kunsttherapie helfen, Erlebtes zu kommunizieren und zu verarbeiten.
Der künstlerisch-kreative Prozess soll in der Kunsttherapie helfen, Erlebtes zu kommunizieren und zu verarbeiten.[ Wr. Schule für Kunsttherapie]
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Erlebtes nonverbal auszudrücken ist Teil eines eigenständigen Therapie-verfahrens. Neben Theorie und Praxis wird in der Ausbildung Supervision großgeschrieben.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, heißt es. Das gilt auch für Plastiken und Installationen, Musik sowie eine Tanzperformance oder Schauspiel. Das macht sich die Kunsttherapie zunutze. Diese Therapieform, die Mitte des 20. Jahrhunderts von verschiedenen Therapeuten in den USA und Europa entwickelt wurde, ist somit ein hervorragendes Mittel, um innere Seelenzustände und Gefühle ausdrücken zu können und sichtbar, hörbar und spürbar zu machen. „Die Kunsttherapie wird zur therapeutischen Begleitung, Weiterentwicklung und Persönlichkeitsentfaltung eingesetzt“, erklärt Birgit Elsner, Leiterin der Wiener Schule für Kunsttherapie.

Marie-Theres Haas, Co-Leiterin des Master-Universitätslehrgangs Kunsttherapie an der Sigmund-Freud-Privatuniversität (SFU), ergänzt: „Man merkt oft, dass einen ein Thema beschäftigt, kann es aber nicht ausdrücken, da das Erlebte ins Unterbewusste verdrängt wurde und daher nicht versprachlicht werden kann.“ Die Kunsttherapie, ein eigenständiges Therapieverfahren im sozial-präventiven und rehabilitativen sowie im klinisch-psychologischen und im psychotherapeutischen Bereich, gebe den Menschen eben die Möglichkeit, sich nonverbal auszudrücken. „Wo die Psychotherapie aufhört, fängt die Kunsttherapie an“, sagt Harald Fritz-Ipsmiller, Gründer der Akademie für Kunsttherapie. Aufgabe der Therapeuten sei es, die Klienten bei ihrer Reise ins Innere zu begleiten und zu betreuen. „Man muss schauen, wo der Klient steht und wo er hin will“, sagt Elsner. Wichtige Voraussetzungen dafür seien Vertrauen und eine Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Klienten, betonen sowohl Fritz-Ipsmiller als auch Elsner.

Bereitschaft zu Selbstreflexion

Angehende Kunsttherapeuten sollten daher ein großes Interesse an und für Menschen mitbringen. Aber auch Empathie und die Bereitschaft zur Selbstreflexion und Selbsterfahrung sind wichtig. „Im besten Fall lernt man sich nämlich während der Ausbildung selbst kennen, denn man kommt dabei nicht an sich vorbei“, sagt Haas unter Verweis auf engmaschige Gruppenselbsterfahrung und Supervision im Rahmen der Kunsttherapie-Ausbildung.

Talent keine Voraussetzung

Künstlerisches Talent hingegen ist nicht zwingend eine Grundvoraussetzung. „Es geht nicht um ein Kunstwerk, sondern um den Ausdruck“, sagt Elsner. Haas sieht das ebenso: Wichtiger als künstlerische Begabung sei, dass die Studierenden keine Hemmungen hätten, sich bildnerisch, gestalterisch oder nonverbal auszudrücken.
Vier Jahre dauert die Ausbildung an der Wiener Schule für Kunsttherapie sowie an der Akademie für Kunsttherapie, fünf Semester an der SFU. Letztere richtet sich besonders an Sozialarbeiter, Sozial-, Sonder- und Heilpädagogen, Mitarbeiter in sozialpsychiatrischen Diensten, Lebens- und Sozialberater, Künstler und bildnerische Erzieher sowie an pflegerische und klinische Berufe.

Aufnahmekriterien variieren

Die Zugangsbestimmungen unterscheiden sich je nach Institution ein wenig: So gibt es bei der Akademie für Kunsttherapie keine Altersgrenze, bei der Wiener Schule für Kunsttherapie hingegen müssen die Teilnehmer zumindest 22 Jahre alt sein. An der SFU wiederum müssen die Studierenden die formalen Bedingungen, wie etwa die Hochschulreife, erfüllen. Die Curricula sind umfassend: Neben verschiedenen Kunstformen und Materialien stehen die Grundlagen der künstlerischen Arbeit genauso auf dem Programm wie therapeutisches Arbeiten. „Das heißt, dass im Studiengang auch neurobiologische und -genetische, psychosoziale und psychomotorische Grundlagen erarbeitet werden“, beschreibt Haas.

Hunderte Stunden Praxis

Großgeschrieben wird weiters die Praxis: 120 Stunden in einer Psychiatrie müssen in der Wiener Schule für Kunsttherapie nachgewiesen werden, 300 Stunden sind es an der Akademie für Kunsttherapie. „Es geht darum, dass die Studierenden lernen, die einzelnen Krankheitsbilder zu erkennen, selbst wenn sie in einer freien Praxis arbeiten wollen“, so Elsner und Fritz-Ipsmiller.

Einig sind beide auch darin, dass die Nachfrage nach Kunsttherapie, die in Österreich noch keine gesetzlich geschützte Therapie darstellt, in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen ist. „Die Praxen sind deutlich voller als vor der Pandemie“, sagt Elsner.

Information

Ausbildungen Kunsttherapie (Ausw.)

► FH Gesundheit Tirol: Kunsttherapie (MA), www.fhg-tirol.ac.at


► IMC FH Krems: Musiktherapie (MA), www.fh-krems.ac.at


► Sigmund-Freud-Privatuniversität:
Kunsttherapie (MA), www.sfu.ac.at


► Wiener Schule für Kunsttherapie, Online-Infoabend am 5. Oktober, www.kunsttherapie-schule.at


► Akademie für Kunsttherapie, modulare Ausbildung mit monatlicher Möglichkeit zum Einstieg, www.a-kt.at