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Quergeschrieben

Psychologie der Massen: Was sie ausmacht, wie sie gelenkt werden

Propaganda wirkt, wie die Geschichte zeigt. Sie kann die Massen bewegen – zum Guten, aber auch zum Schlechten.

Es war im März 1938. Nach dem Treffen am Obersalzberg mit Adolf Hitler startete der zuvor zögerliche Bundeskanzler Kurt Schuschnigg eine beispiellose Aktion. Binnen weniger Tage sollte eine Volksabstimmung organisiert werden. Flugblätter in Rot-Weiß-Rot fluteten das Land, Plakate, Lastwagen mit Österreich-Fahnen schwenkenden jungen Männern. In dieser Stimmung, dem Aufwallen des Selbstbehauptungswillens im Kampf um Österreichs Existenz, überwanden die feindlichen Lager der Sozialdemokraten und die in die Diktatur abgeglittenen bürgerlichen Christlichsozialen den tiefen Graben, den der Bürgerkrieg geschaffen hatte. Man hatte ein gemeinsames Ziel, schwelgte in Patriotismus und Euphorie. Nur wenige Tage später war alle anders. Schuschnigg hatte seine bewegende Abschiedsrede gehalten, Hitler fuhr im Triumphzug durch das Land. Wieder jubelten die Massen. Doch diesmal saßen viele zu Hause, hatten Angst oder flüchteten ins Ausland. Juden wurden misshandelt, es wurde massenhaft denunziert, verhaftet und gefoltert. Wie war das möglich?