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WM-Qualifikation

Franco Fodas Woche der Wahrheit

SOCCER - UEFA EURO 2020
Im Blickpunkt: Franco Foda.GEPA pictures/ Christian Walgram
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Dem Teamchef helfen nur noch Siege, um im Amt zu bleiben. Ausgerechnet jetzt warten aber höchst unangenehme Auswärtsspiele – und mehr als der halbe Stamm der Euro fehlt.

Teamchef der österreichischen Fußballnationalmannschaft zu sein, ist hierzulande ein angesehener Job. Mit Franco Foda möchte dieser Tage dennoch kaum jemand tauschen. Der Deutsche, seit knapp vier Jahren im Amt, sieht sich seit dem jüngsten Lehrgang mitsamt der Niederlagen gegen Israel (2:4) und Schottland (0:1) massiver Kritik ausgesetzt, er ist angezählt.

Für den kaum noch für möglich gehaltenen Turnaround braucht Foda ein kleines Wunder, das nun ausgerechnet in den kommenden Auswärtsspielen gegen die Färöer (Samstag) und Dänemark (Dienstag) gelingen soll.

Dabei könnte die Ausgangslage vor den beiden anstehenden Dienstreisen kaum unangenehmer sein. In Duellen mit den Färingern schwingt immerzu die Schmach von Landskrona 1990 (0:1) mit. Zu gewinnen gibt es gegen Underdogs nichts, zu verlieren sehr viel. Dänemark ist hingegen doch klar über Österreich zu stellen.

Der EM-Halbfinalist führt die WM-Qualifikationsgruppe F mit den Punktemaximum (18) und einem makellosen Torverhältnis von 22:0 an. Ausgerechnet beim Gastspiel auf den Färöern gelang der 1:0-Siegtreffer aber erst fünf Minuten vor Schlusspfiff.

Halbe EM-Elf fehlt

Wie sieht also die Herangehensweise des ÖFB-Teams aus? Peter Schöttel, seines Zeichens Sportdirektor, skizziert sie. „Wir wollen gegen Färöer gewinnen und in Dänemark eine Topleistung abrufen und punkten.“ Vier Punkte sind also das ausgerufene Ziel. Sie würden die Teamchef-Diskussion gewiss nicht im Keim ersticken, die Tonalität aber würde eine etwas andere werden. Allerdings, vor allem ein Punktgewinn in Dänemark erscheint nur schwer zu bewerkstelligen, Schöttel weiß um die Stärke des Gegners. „Bei denen passt wirklich sehr, sehr viel.“

Als wäre die Herausforderung nicht schon groß genug, sieht sich Foda mit einer Reihe an Ausfällen (siehe Profil unten) konfrontiert. Einige sind schwerwiegend, etwa jene von Marko Arnautović, Christoph Baumgartner oder Aleksandar Dragović. Mitsamt der Langzeitverletzten Xaver Schlager, Stefan Lainer und Saša Kalajdžić fehlen sechs Akteure, die bei der Europameisterschaft im Sommer eine tragende Rolle gespielt haben.

Aufgrund der Ausfälle rutschen mitunter Salzburgs Maximilian Wöber sowie die Rapidler Marco Grüll und Ercan Kara in den Kader, Schöttel sieht „immer noch viel Qualität. Es birgt für einige die Chance, sich zu präsentieren.“

„Mit Foda zur WM“

Ob Foda als Teamchef noch zu retten ist, wusste Schöttel beim Medientermin am Dienstag nicht zu beantworten. Natürlich sprach aus dem ehemaligen Verteidiger aber eine gesunde Portion Zweckoptimismus. „Ich bin guter Dinge, dass wir das Ruder wieder herumreißen können“, erklärte der 54-Jährige, der davon ausgeht, „dass wir mit Franco Foda zur WM fahren.“

So viel zum Wunschdenken des Sportdirektors, der zugleich Realist ist und die Mechanismen des Fußballgeschäfts kennt. „Die Diskussionen werden aufhören, wenn wir gute Leistungen bringen und Spiele gewinnen“, versicherte Schöttel, der bereits Gespräche mit dem designierten ÖFB–Präsidenten Gerhard Milletich geführt hat.

Der Burgenländer, er folgt am 17. Oktober Leo Windtner nach, hatte die Teamchef-Debatte zusätzlich angeheizt, indem er Schöttel, die ÖFB-Sportkommission sowie „langjährige Teamspieler“ öffentlich aufgefordert hatte, herauszufinden „welche Alternativen es gibt, die bereit wären, das Nationalteam zu betreuen.“

Schöttel relativierte am Dienstag die Aussagen Milletichs. „Ich wurde vom neuen Präsidenten nicht beauftragt, einen Teamchef zu suchen. Es gibt ein Bekenntnis für diesen Lehrgang. Franco hat unser Vertrauen, aber wir verschließen nicht unsere Augen.“

Absagenflut

Franco Foda muss für die kommenden beiden Spiele auf einige Leistungsträger verzichten. Stürmer Marko Arnautović plagt eine Muskelverletzung, Christoph Baumgartner und Valentino Lazaro laborieren ebenfalls an muskulären Problemen. Aleksandar Dragović muss krankheitsbedingt passen, Philipp Lienhart nach einer akuten Zahn-OP. Ob Andreas Ulmer (Infekt) infrage kommt, entscheidet sich am Dienstag.

("Die Presse", Printausgabe 05.10.2021)

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