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Cover der CD-Erstaufnahme, Virgin Classics

"Salome" ab sofort mal drei

Zwei Jahre nach Ablauf der Schutzfrist für die Werke von Richard Strauss liegt nun sein erster großer Opernerfolg, "Salome", in zwei neuen Fassungen vor: einmal auf Französisch und einmal für lyrischen Sopran.

Was die Fassung für lyrischen Sopran betrifft, so galt diese eine Zeitlang als Desideratum, weil in der Aufführungspraxis tatsächlich nur Brünnhilden-Stimmen der Aufgabe gewachsen waren, deren Besitzerinnen selten den Anspruch erfüllen, den die schauspielerische Darstellung einer jungen, frechen Prinzessin von Judäa stellt.

Auf der Partitur seines Werks, die Strauss eigens für diesen Zweck eingerichtet hatte, indem er vor allem die Orchesterbesetzung in den Szenen der Titelheldin drastisch reduzierte und dynamische Retuschen vornahm, schrieb er eigenhändig:Nur für die Cebotari!
Tatsächlich geriet diese Originalfassung bald wieder in Vergessenheit und steht nun erstmals öffentlich zur Verfügung (die Schutzfrist für Richard Strauss ist 2019 abgelaufen.)

Noch Ende der Siebzigerjahre gab es Aufregung, weil Regisseur Götz Friedrich und Dirigent Karl Böhm eine Salome-Verfilmung mit Teresa Stratas erarbeiteten, die optisch für die Rolle ideal geeignet schien, in der Bühnenrealität aber keine Chance gehabt hätte, sie zu singen. Die Wiener Philharmoniker spielten unter Böhms Leitung die Oper damals instrumental ein, die Stratas sang im Studio zum fertigen Band, wonach die Aufnahme neu abgemischt wurde.

Das Ergebnis ist ein überzeugender Film, dessen Machart allerdings viel kritisiert wurde, am lautesten vom Dirigenten Sergiu Celibidache, der selten ein gutes Haar an Kollegen ließ und in diesem Fall meinte:Ein Dirigent, der so etwas tut, ist nicht mehr wert als ein leere Karteoffelsack.
Die französischsprachige Salome ist Kennern hingegen längst bekannt. Sie wurde mit Karen Huffstodt in der Titelpartie bereits 1991 in Lyon unter Kent Nagano aufgeführt und für CD eingespielt.