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Umweltschutz

Pfand auf Plastikflaschen und Dosen könnte nun doch kommen

Mehrere gef�llte Taschen mit Pfandflaschen von Einweg- oder Mehrwegflaschen *** Several filled bags with deposit bottles
Der Pfand auf PET-Flaschen und Dosen dürfte 2025 kommen.(c) imago images/Petra Schneider (Petra Schneider-Schmelzer via www.imago-images.de)
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Spätestens ab 2025 soll es im gesamten Lebensmittelhandel ein Recycling-System geben. Am Freitag sollen Details präsentiert werden.

Folgt nach Klimaticket und Einführung einer CO2-Steuer bereits der nächste große Wurf für Umweltministerin Gewessler? Bei den Verhandlungen um ein Pfandsystem für Getränkeflaschen und -dosen scheint es eine Einigung zu geben. In allen österreichischen Supermärkten werde nun fix ein Pfandsystem auch für PET-Flaschen und Dosen eingeführt, so die Gratis-Zeitung "Heute“. Mit an Bord seien auch die Diskonter und die Wirtschaftskammer, hieß es. Die Details dazu sollen am Freitag präsentiert werden.

Auf Nachfrage der „Presse" im Klimaschutzministerium wollte man den Bericht der „Heute“ weder bestätigen noch dementieren. Man arbeite jedoch „intensiv an der Novellierung des Abfallwirtschaftsgesetzes". Dies ist bereits länger bekannt. Eine Einführung eines Einwegpfands hatte es bisher nicht ins Gesetz geschafft.

Nach jahrelangen, zähen Verhandlungen hatte sich vergangene Woche beim Thema Pfand jedoch ein Umschwung abgezeichnet: Am Freitag hatten die Lebensmittelketten Rewe (Billa), Hofer und Lidl sowie die Abfall Recycling Austria (ARA) in einer gemeinsamen Aussendung für ein Pfand für Einwegverpackungen ausgesprochen. Die „Presse“ berichtete. Bisher hatte sich aber vor allem die Wirtschaftskammer skeptisch gezeigt. Diese dürfte nun eingelenkt haben. Auch der Lebensmittelhändler Spar war bisher dagegen.

Automaten bei Diskontern, 20 bis 30 Cent Pfand

Der Pakt, der nun auf dem Tisch liegt, soll laut „Heute“ Folgendes enthalten: Mit der AWG-Novelle soll es spätestens ab 2025 im gesamten Lebensmittelhandel ein Recycling-System geben, auch bei den Diskontern. Bisher konnte man dort keine Glasflaschen zurückgeben, während das in den "klassischen Supermärkten" bereits seit längerem möglich ist. Die Glasbehältnisse können dadurch wiederbefüllt, also wiederverwendet werden.

Zudem soll ein Pfand auf Einweggebinde (PET-Flaschen und Dosen) kommen. In Zukunft sollen Händler leere Verpackungen zurücknehmen, auch wenn die Getränke anderswo gekauft worden seien. Auch neue Automaten soll es geben. Ab 2025 könnte eine Dose oder eine Plastikflasche um 20 bis 30 Cent mehr kosten. Das Geld würden die Konsumenten bei Rückgabe retour bekommen.

Im AWG sollen außerdem ein verbindliches Mehrwegangebot bei Getränken in Supermärkten, ein Verbot bestimmter Einwegplastikprodukte, ein Importverbot vermischter Industrieabfälle und eine Verlagerung von Abfalltransporten auf die Schiene festgehalten werden.

Das Klimaschutzministerium wollte sich gegenüber "Heute" nicht äußern. Auch für die APA war es vorerst für eine Bestätigung bzw. eine Stellungnahme nicht erreichbar.

„Natur kann endlich aufatmen"

Auch wenn die offizielle Bestätigung zur Einigung noch nicht da ist, freuten sich die Umweltschutzorganisationen Global 2000 und Greenpeace bereits über den großen "Durchbruch". "Monatelang haben wir uns gemeinsam mit unseren Unterstützern und Unterstützerinnen fürs Pfandsystem stark gemacht. Nun kann die Natur endlich aufatmen und ein notwendiger Wandel vollzogen werden. Getränkeverpackungen bekommen einen Wert und können gleich wie Mehrwegflaschen im Supermarkt zurückgebracht werden", so Lena Steger von Global 2000 in einer Aussendung. Gleichzeitig wurde die "richtige Umsetzung“ eingemahnt. „Die Regierung sollte verhindern, dass Supermarktketten die zurückgebrachten Plastikflaschen und Dosen behalten können und das Material selbst am Recyclingmarkt verkaufen, um damit riesige Profite zu erzielen", fordert Steger. 

Auch Greenpeace begrüßte die gemeinsame Umsetzung von Mehrwegquoten und Pfandsystem. "Österreich verursacht im EU-Vergleich überdurchschnittlich viel Müll mit Getränkeflaschen und Dosen, recycelt aber nur einen Bruchteil davon. Eine ambitionierte, geschlossene Kreislaufwirtschaft ist daher der einzige Weg, wie wir die Müllberge in den Griff bekommen. Bis 2025 zu warten ist nur verlorene Zeit. Pfandautomaten und Mehrwegflaschen müssen deutlich früher kommen", so Greenpeace Konsumexpertin Lisa Panhuber.

Die Müllmenge durch Plastik-Einwegflaschen habe sich in den letzten 20 Jahren von 21.000 Tonnen auf 49.000 Tonnen mehr als verdoppelt. „Der Mehrweganteil ist von 80 Prozent auf unter 20 Prozent gesunken, und nur rund 35 Prozent der PET-Flaschen werden in Österreich wieder zu Lebensmittelverpackungen recycelt", so Panhuber. Sogar die Sammelquote für Plastikflaschen sei laut ARA-Zahlen rückläufig - von 76 Prozent im Jahr 2001 auf 70 Prozent aktuell.

70 Prozent wird recycelt

In Österreich werden gegenwärtig jährlich 1,6 Milliarden Getränkeflaschen aus Kunststoff in Umlauf gebracht. 70 Prozent davon werden gesammelt und recycelt. Dies reicht aber nicht aus, die EU-Richtlinie zu Single-Use-Plastic zu erreichen. Diese sieht vor, dass Getränkeflaschen aus Kunststoff bis zum Jahr 2025 zu zumindest 77 und bis zum Jahr 2029 zu zumindest 90 Prozent getrennt gesammelt und auch recycelt werden müssen. Erreicht Österreich das nicht, drohen Strafzahlungen von 20 bis 45 Millionen Euro.

Ein Pfandsystem, wie es nun offenbar in Österreich kommt, würde die Lücke am effizientesten und kostengünstigsten schließen. Dies ergab eine Anfang 2020 publizierte Studie, die unter anderem von der Universität für Bodenkultur und der Montanuniversität Leoben und dem Technischen Büro Hauer erstellt worden ist.

Ein Pfandsystem stößt auch auf breite Zustimmung in der Bevölkerung. Bei einer Umfrage von marketagent im Auftrag von Greenpeace forderten jedenfalls 87 Prozent der Befragten, dass der Großteil der Getränke bis 2030 in wiederverwendbaren Mehrweg- statt Einwegflaschen abgefüllt ist. 91 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Mehrwegflaschen (Glas oder PET) kaufen würden, sobald diese verstärkt angeboten werden.

Auch die meisten großen Supermärkte und Diskonter plädieren inzwischen für ein Pfandsystem. Erst am Freitag sprachen sich die REWE Group, Hofer sowie Lidl Österreich gemeinsam mit der Getränkeindustrie für Einwegpfand und die verpflichtende Einführung von Mehrweg aus.

(APA/twi)