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Nicht die Überbevölkerung ist unser großes Problem

Staaten mit sehr vielen und Staaten mit immer weniger Menschen: Lässt sich das mit Verteilungs gerechtigkeit und mehr Zugang zu Bildung ausgleichen?
Staaten mit sehr vielen und Staaten mit immer weniger Menschen: Lässt sich das mit Verteilungsgerechtigkeit und mehr Zugang zu Bildung ausgleichen?(c) REUTERS (FRANCIS MASCARENHAS)
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Der Gedanke, wir Menschen seien "zu viele“, ist ein Fehlschluss.

Ich bin oft in Ländern mit vielen Menschen. Werden diese Kinder Arbeit kriegen? Ein akzeptables Gesundheitssystem? Der naheliegende Gedanke, wir Menschen seien "zu viele" ein Fehlschluss. Jene, die Überbevölkerung als akutestes Menschheitsproblem bezeichnen, gleiten nur allzu oft in exkludierende, manchmal rassistische Argumentationen. Wer soll denn nun verschwinden? Immer die anderen!

Die weltweite Geburtenrate von 5,4Nachkommen pro Frau (1965) sank zum Glück auf die Hälfte, ein sich fortsetzender Trend. Statistisch wich das exponentielle Wachstum längst einem linearen. Die Weltpopulation, jetzt knapp acht Milliarden, wird sich bei elf Milliarden einpendeln.

"Jeder, der möchte, soll Zugang zu Verhütungsmitteln kriegen, überall", forderte der schwedische Arzt und Statistiker Hans Rosling, "die Ärmsten zögern da, wenn ihre Kinder sterben, wenn keine Schule im Dorf steht. Du kannst ihnen nicht Nachwuchs verbieten, den sie als Familienarbeitskräfte brauchen." Wachsender Wohlstand bremst Geburten ein. Eher als über Überbevölkerung sollten wir über mangelnde Bildung von Frauen sprechen. Gut Ausgebildete bringen weniger Kinder zur Welt. Staaten, die Bildungsinvestitionen senken, produzieren Bevölkerungswachstum. Der Anstieg der Lebensqualität in China oder Indien ist unübersehbar.

Unsere Ressoucenknappheit tritt nicht aufgrund von Überbevölkerung auf sondern wegen unseres rücksichtslosen Lebensstils, der auch das Klima belastet. Wir im Westen nehmen Ländern mit stärkerer Population den Platz weg, nicht sie uns. Es gibt zu viele von uns, nicht von ihnen. Die reichsten zehn Prozent der Erdenbürger konsumieren die Häfte aller Weltressourcen, während die ärmere Hälfte ein Zehntel von ihnen verbraucht. Aus all diesen Gründen halten führende Wissenschaftler die Fokussierung auf Überbevölkerung für unproduktiv. Wir stehen vor einem Verteilungsproblem. Auch im Tourismus müssen wir in Zukunft leiser treten, nicht nur die Einzelnen. Veranstalter, Hotels und Fluglinien müssen sich um Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit kümmern. Es wäre genug für alle da.