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Frauen

Ein Kleid im Tausch gegen drei Eier

v.l.n.r.: Eser Sevinc Manav (Coca Cola), Sonja Wallner (A1), Eva Buzzi (Rail Tours), Cornelia Großmann (Batten & Company), Renate Altenhofer (European Brand Institute) und Gabriele Kantauer-Gansch (A1).(c) Katharina Schiffl
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Trümmerfrauen und Covid-Heldinnen am 9. Women Leadership Forum.

Was braucht es, damit mehr Frauen in C-Level-Positionen aufrücken? Dieser Frage widmete sich das heurige 9. Women Leadership Forum von Gastgeberin Renate Altenhofer.

Ein Highlight war die erste Diskussion des Tages. Das emotionalste Statement kam von Eser Sevinc Manav, bei Coca Cola VP Operations und General Manager Central Europa. Sie hatte ein Vorbild für ihre Karriere: ihre Großmutter, die als Migrantin die Familie mit Näharbeiten ernährte. Für ihr erstes Kleid bekam sie drei Eier. Ihren Kampfgeist vererbte sie Tochter und Enkelin: „In der Covid-Krise haben wir gelernt, dass wir es nicht nur schaffen können, sondern auch sehr resilient sind.“

Weibliche Widerstandsfähigkeit hat auch Schattenseiten. Eva Buzzi, Managing Director bei der ÖBB-Tochter Rail Tours, gefällt das Bild der unkaputtbaren Trümmerfrau. Doch sie warnt, dass Covid die Karrieren vieler Frauen um Lichtjahre zurückwarf: „Sie schulterten Home-Office, Home-Schooling, Haushalt und Pflege. Aber jetzt bleiben sie daheim im Home-Office, statt ins Büro zurückzukehren.“ Fatal für die Sichtbarkeit: „Wer nicht sichtbar ist, tritt zurück!“

Frauen liege der neue Führungsstil, beobachtet Sonja Wallner, CFO bei A1 Telekom. „Die Führungskraft steckt die Ziele, die Umsetzung gibt sie an das Team ab. Das entscheidet selbst, wie es die Ziele erreicht.“ Voraussetzung: Die Führungskräfte müssten „klar in der Kommunikation und im Messen der Ziele sein“.

Für die online zugeschaltete Monika Racek, CEO Admiral Casinos & Entertainment, basiert „weibliche Führung auf Empathie, Vertrauen und Anerkennung“. Sie sieht ein Manko: „Wir haben nicht nur einen Gender Gap, auch einen Confidence Gap.“ Frauen seien weniger selbstbewusst als Männer, „die schon als kleine Buben lernen, Fehler an sich abprallen zu lassen. Frauen nehmen sie sich zu Herzen.“ Und wagen später nicht, Jobs anzunehmen, deren Anforderungen sie nicht zu 100 Prozent erfüllen: „Männer greifen schon bei 60 Prozent zu.“ Raceks Appell: „Perfektionismus ist ein Karrierekiller. Frauen sollen nicht so viel nachdenken und lieber handeln.“

Die Zahlen geben ihr recht. Cornelia Großmann, Associate Partner bei Batten & Company, erkennt deutlichen Nutzen weiblicher Führung: „Beim Image, auf psychologischem Niveau – und in den Ergebnissen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 9. Oktober 2021)