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Retrospektive

Jan Troell & Bo Widerberg: Starke Streifen von schroffen Schweden

"Utvandrarna" (1971) von Jan Troell.
"Utvandrarna" (1971) von Jan Troell.(c) Ove Alström
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Noch bis 20.10. kann man im Wiener Filmmuseum das vielfältige Schaffen Jan Troells und Bo Widerbergs erkunden - zweier Galionsfiguren der schwedischen Nouvelle Vague.

Die Ingmar-Bergman-Stiftung würde ihn niemals einladen, meinte der schwedische Cannes-Gewinner Ruben Östlund 2018 in einem Interview mit Margarethe von Trotta. Der Grund? Er stünde auf der „Gegenseite“, gelte als Teil des Bo-Widerberg-Lagers. Widerberg war es, der 1962 eine Streitschrift veröffentlichte, die Bergman als verstaubtes „Dalapferd“ und Exotik-Export kritisierte. Und ein neues, „horizontales“, also mit sozialen Realitäten verknüpftes Kino für seine Heimat forderte.

Bald wurde der erfolgreiche Autor selbst zur Speerspitze dieser Erneuerungsbewegung, zusammen mit dem Lehrer und Kamera-Enthusiasten Jan Troell, der 1963 sein freigeistiges Debüt „Barnvagnen“ fotografierte. Statt im Revoluzzer-Gestus zu verharren, bewies sich Widerberg als wandlungsfähiger Stilist, der selbst zur Symbolfigur taugte: Poetische Kostümfilm-Subversionen wie „Elvira Madigan“ (1967) gingen um die Welt – und brachten Widerberg sogar kurz nach Hollywood, wo er mit „Joe Hill“ (1971) einem Landsmann und Gewerkschaftsführer ein Denkmal setzte.

Hier wird aus „Kottan“ ein Actionfilm

Das Politische bricht sich in seinen Filmen auf unterschiedliche Weise Bahn. Wo es im Streikdrama „Ådalen 31“ (1969) ausdrücklich Thema ist, liegt es in manchen späteren Arbeiten, etwa in „Der Mann auf dem Dach“ (1976), in einer realistischen Grundhaltung: Dieser anfangs staubtrockene Krimi wirkt bisweilen wie eine Kottan-Folge mit Humor auf Sparflamme – bis er sich, getrieben von einem wuchernden Flötencrescendo, in ein waschechtes Actionspektakel verwandelt.

Auch Jan Troell versuchte sich nach dem Erfolg von Emigranten-Epen wie „Utvandrarna“ (1971) als Regisseur in Übersee. Und kehrte enttäuscht zurück. Seine ästhetische Sensibilität war in Europa besser aufgehoben. Spürbar ist sie in Spielfimen wie „Ole dole doff“ (über die Leiden eines Lehrers, 1968) und in der Doku „Sagolandet“ (1988), die heutige Umweltthemen vorwegnimmt.