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Historische Villen: "Das Flair des Altbaus"

Historische Villa am Fuße des Nussbergs in Wien Döbling.
Historische Villa am Fuße des Nussbergs in Wien Döbling.[ Otto Immobilien/Chris Steinbrenner ]
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In Wien sind sie Mangelware, in Salzburg oft länger auf dem Markt. Denn die großen alten Damen unter den Immobilien brauchen Käufer, die ihre Besonderheiten zu schätzen wissen – und kluge Investitionen in die Substanz.

In Wien sind sie nicht leicht zu haben: Historische Villen haben in der Krise noch einmal an Popularität zugelegt, und wer eine besitzt, war während der Pandemie wenig bis gar nicht motiviert, diese zu verkaufen. Eine Situation, die zu steigenden Preisen führt, wie Richard Buxbaum, Prokurist und Leiter des Bereichs Wohnimmobilien bei Otto Immobilien, berichtet: „Echte historische Objekte werden teurer“, weiß er. Das gelte ganz besonders für deren Einserlage: „Das Cottage wird aktuell noch wertvoller, als es schon war, und die Nachfrage in den letzten zwölf Monate ist noch einmal gestiegen.“

Jubiläum im Cottage

Die Gründe dafür sieht der Makler nicht zuletzt im anstehenden Jubiläum. „2022 feiert der Cottage-Verein sein 150-jähriges Bestehen, und im Lockdown sind dort ganze Zeilen hergerichtet und restauriert worden. Sicher auch, um während der Feierlichkeiten besonders zu glänzen“, berichtet Buxbaum. Was nochmals zu einer emotionalen Aufwertung geführt hat und den Wert eines „richtigen Cottages“, das beim Verein dabei ist, weiter erhöht hat. „Das Flair des Altbaus mit einer Geschichte dazu und einem namhaften Architekten lässt sich durch keinen Neubau ersetzen“, schwärmt der Makler.

Nachfrage gäbe es sowohl aus dem In- wie aus dem Ausland, wobei durch die immer noch eingeschränkte Reisefreudigkeit manch kaufkräftiger Kunde aktuell noch zuwartet. „Die großen Fragen heißen: ,Wie kommt man dazu?‘ und ,Wer ist bereit, das zu verkaufen?‘“, weiß Buxbaum. Und hofft darauf, im kommenden Jahr ein wenig mehr anbieten zu können. „Wir glauben, dass nächstes Jahr wieder ein paar mehr Häuser zu höheren Preisen auf den Markt kommen, weil Eigentümer, die in der Pandemie die Zeit daheim verbracht haben, dann das Gefühl haben, dass es reicht. Und vielleicht der große, arbeitsintensive Garten für Ältere ein Grund ist, sich davon zu trennen.“

Weniger begehrt in Salzburg

Ganz anders stellt sich die Situation in Salzburg dar. „Diese Häuser sind grundsätzlich nett anzusehen, entfernen sich aber immer weiter von den heutigen Nutzungswünschen der Bewohner“, betont Berndt Kretschmer, Prokurist des Salzburger Immobilienunternehmens Stiller & Hohla. „Denn die großen Familiensitze sind ein Auslaufmodell, und wer ans Alter denkt, will im Bungalow wohnen“, fasst er es zusammen.

Der Fondachhof.
Der Fondachhof.(c) Andreas Kolarik (Kolarik Andreas)

Gefragt sei unter anderem zunehmend die Barrierefreiheit, die in vielen historischen Häusern eher nicht gegeben sei. „Die romantische Idee entfernt sich selbst bei jenen, die mit alten Dingen etwas anfangen können, immer mehr“, berichtet er. Selbst am Kai, der besten Lage für historische Villen in Salzburg, stehe aktuell eine der drei schönsten Villen zum Verkauf – die Nachfrage sei aber überschaubar. Oftmals liegen die Gründe für eine längere Vermarktungsdauer in der Angst der künftigen Bewohner vor unüberschaubaren Kosten und Auflagen durch den Denkmalschutz. Hinzu kommen Verkäufer mit überhöhten Preisvorstellungen, die ihre eigene emotionale Verbundenheit mit dem Objekt einpreisen – die der potenzielle Käufer aber nicht hat.

Verlorener Bauaufwand

„Den Begriff des verlorenen Bauaufwands hören Eigentümer nicht gern“, erzählt Evelyn Hendrich, Inhaberin des gleichnamigem Immobilienunternehmens, das sich auf historische Objekte spezialisiert hat. Denn alles, was stark in geschmackliche Richtung gehe, habe oft keinerlei Wert, weiß die Maklerin.

Küche im Schloss Mühldorf.
Küche im Schloss Mühldorf.Hendrich Real Estate GmbH

Auszahlen würden sich dagegen Investitionen in die Bausubstanz, wie etwa solide Fassadensanierungen, Dach und Metallarbeiten, Drainagen sowie Fenster- und Türsanierungen. Im Inneren dürfen dagegen Küchen und Bäder durchaus modern sein, „am sichersten ist man aber mit einer gelungenen Symbiose aus Alt und Neu“, betont die Maklerin. „Das ist verträglicher als ganz modern und wird mehr geschätzt als eine Anbiederung an das Historische. Und Designer, die gut sind, können das.“ (SMA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2021)