Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Ökologisches Bauen

Fertighäuser: Unterschätzte Klimaschützer von der Stange

Vorgefertigte (Holz-)Module verkürzen die Bauzeit, senken die Herstellungskosten und vermindern die Emissionen.
Vorgefertigte (Holz-)Module verkürzen die Bauzeit, senken die Herstellungskosten und vermindern die Emissionen.Getty Images
  • Drucken

Vorgefertigte Gebäude sind seit den 1980er-Jahren oft ökologische Vorreiter.

Nachhaltigkeit, Recyclingfähigkeit, baubiologisch unbedenkliche Materialien und Energieeffizienz – diese vier Eigenschaften gelten als Erfolgsfaktoren für ökologisches Bauen. „Viele Fertighäuser decken diese Aspekte ab“, sagt Christian Muhrhammer, Geschäftsführer des Österreichischen Fertighausverbandes. Das beginne bereits bei der Produktion.

Die Fertighaushersteller würden die notwendigen Materialien in Großmengen, wenn möglich mit der Bahn, geliefert bekommen. Diese stammten, etwa bei auf Holzbau spezialisierten Herstellern, oft sogar aus der Region. Der hohe Vorfertigungsgrad sorge darüber hinaus dafür, dass auch bei der Anlieferung das Verkehrsaufkommen gering sei. „Die Baustellen werden mit einem Autokran und zwei bis drei Sattelauflegern angefahren. Das ist ein wesentlicher Öko-Beitrag und freut die Anrainer“, sagt Muhrhammer.

Die Wahl des Baustoffs, aus dem die Fertighäuser errichtet werden, sei ebenfalls ein wichtiger Faktor für deren ökologischen Beitrag, sagt Daniel Knuchel, Partner in der Unternehmensberatung Advicum Consulting. „Wird Holz verwendet, ist der ökologische Aspekt sehr hoch“, sagt Knuchel. Holz unterstütze den Klimaschutz gleich in dreifacher Weise, beschreibt Michael Mark, Verkaufsberater bei Griffner Haus: „Das Wachstum von einem Kubikmeter Holz, sprich Biomasse, wandelt klimaschädliches CO2 in 0,7 Tonnen Sauerstoff um.“ Und weiter: „Zweitens bleibt bei der stofflichen Nutzung von Holz der Kohlenstoff gebunden und führt zu einer einzigartigen CO2-Senkenleistung. Außerdem ersetzt Holz andere Baustoffe, bei deren Herstellung erheblich größere CO2-Mengen freigesetzt würden“, erklärt Mark.

Schon für Trennung geplant

Die Kombination aus Holz und ökologischen beziehungsweise pflanzlichen Dämmstoffen sei ein ökologisch sinnvoller Ansatz mit hervorragender Energiebilanz, sind Knuchel und Mark überzeugt. So würden die vom Kärntner Fertighaushersteller als Fassaden-Zusatzdämmung und Putzträger eingesetzten Korkplatten für ein durchschnittlich großes Einfamilienhaus mit einem Energieeinsatz von 2500 kWh hergestellt. Eine herkömmliche Fassadendämmung aus Polystyrol (XPS) in gleicher Stärke und für dasselbe Haus benötige dagegen 12.500 kWh. Muhrhammer führt noch einen weiteren Punkt ins Treffen: Demnach seien Fertighäuser mehr oder weniger rückbaubar beziehungsweise recyclingfähig. „Das gilt selbst für jene aus Ziegeln und Beton, da diese Baustoffe geschreddert und so wiederverwendet werden können“, sagt Muhrhammer. Die Herausforderung dabei sei, die Systeme so zu planen, dass sie relativ einfach zu trennen seien.

In Sachen Energieeffizienz liegen Fertighäuser ebenfalls gut im Rennen, immerhin liegt der Anteil der Fertighäuser in Passiv- oder Niedrigenergiebauweise bei 99 Prozent. „Schon die in den 1980er- und 1990er-Jahren errichteten Fertighäuser waren extrem energieeffizient, weil sie unter anderem gut gedämmt und effizient geplant waren“, sagt Muhrhammer. Dies komme den Eigentümern nun bei Sanierungen zugute. Denn die thermische Sanierung oder Optimierung sei daher nicht so aufwendig wie bei Häusern, die damals in konventioneller Bauweise errichtet wurden. Auch Knuchel stellt den heimischen Herstellern in Hinblick auf den Betrieb ein gutes Zeugnis aus: „Sie sind seit Jahren sehr engagiert in innovativen Systemen wie Fotovoltaik, Wärmerückgewinnung und Ähnlichem“, sagt Knuchel. „Außerdem steigt derzeit das Interesse an intelligenten Fassaden.“

Mit thermoaktiven Bauelementen, Fotovoltaik und Recycling werde die Fassade somit zu einem ökologisch orientierten Bestandteil des Fertighauses. „Bauen nach ökologischen Maßstäben und mit natürlichen Baustoffen wird an Bedeutung noch zulegen“, ist Knuchel überzeugt. Vorangetrieben werde dies nicht zuletzt durch eine entsprechende Förderungspolitik der öffentlichen Hand und das zunehmende Öko-Bewusstsein der Hausbauer.

FIX, FERTIG, NACHHALTIG

Öko-Aspekte von Fertighäusern:

• Anlieferung von Großmengen per Bahn für die Produktion

• geringes Verkehrsaufkommen bei der Anlieferung durch hohen Vorfertigungsgrad

• hohe Recyclingfähigkeit und hervorragende Energiebilanz durch Passiv- oder Niedrigenergiebauweise

• innovative Systeme wie Fotovoltaik, Wärmerückgewinnung und intelligente Fassaden

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2021)