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Fadumo Hirsi engagierte sich gegen die brutale Beschneidung von Mädchen, half Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, und arbeitete bei der Caritas als Dolmetscherin.
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Trauer um getötete Frauen in Favoriten: Die Kinder haben Fragen

Im September ereigneten sich der 20. und 21. Frauenmord in diesem Jahr in Österreich. Unsere Autorin besuchte eine Trauerfeier vor dem Hochhaus in Wien-Favoriten, in dem die zwei somalischen Frauen getötet wurden. Aus dem nahen Park kamen Jugendliche und Kinder vorbei.

Manche Frauen schreien ihre Wut heraus und drohen über Mikrofon und Lautsprecher unbekannten Tätern, die sich vielleicht gerade in der Nähe befinden. Manche Rednerinnen unterdrücken das Schluchzen. Andere weinen ganz offen. Schwer auszuhalten, aber notwendig war die Abschiedsfeier direkt vor dem gelben Hochhaus in Wien-Favoriten, in dem die zwei somalischen Frauen Shukri und Fadumo am 13. September gestorben sind, getötet von Shukris Exmann. Die Polizisten schauen betreten, eine Polizistin redet am Schluss direkt mit Anwesenden. Kinder strömen in den Hof, in dem Kerzen stehen und Transparente hängen. Die Neugierde lockt sie aus dem nahen Park an, sie stehen herum und wissen nicht, was tun. Das übliche verlegene Lachen und gegenseitige Geschubse der Burschengruppen bleibt aus. Meist verschwinden sie schnell wieder. Ein kleiner Bub deutet auf das Fenster der Toten. Alle wissen, was passiert ist. Sie müssen weiter hier leben, in einer gruseligen, unheimlichen Atmosphäre mit vielen Fragen und wenigen Erklärungen. Insofern ist dieses gemeinsame Ritual im Hofgarten zwischen den Hochhäusern wichtig für alle.

„Wo ist die Kleine jetzt? Meine Freundin aus dem Park. Ist sie geflüchtet?“, fragt mich ein sechsjähriges Mädchen mit rosa Kopftuch mindestens dreimal. Wenn sie von ihrer Freundin spricht, meint sie die Tochter von Shukri. Der etwas größere Bruder des Mädchens sitzt auf einem Fußball und winkt uns zu sich. „Ich wünschte, sie würde noch leben“, sagt er über die ermordete Frau, die er sehr nett fand. Mehrmals erkläre ich dem Mädchen, dass die Kleine in einem Kinderhaus lebt, mit anderen Kindern. Dass ihr Onkel aus Somalia gekommen ist, um sie zu sich und seinen Kindern zu holen. Dass der Onkel aber wegen Corona nicht in dieses Kinderhaus darf, denn die Kleine sitzt nun schon zum zweiten Mal in Quarantäne.