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Pizzicato

Abschiedstour

Viel Zeit im Kanzleramt bleibt ja nun nicht mehr, und es gibt auch fast nichts mehr zu tun. Aufräumen, einpacken, die Akten für die Regierungsgeschäfte hinterlassen – oder zerschreddern.

Angela Merkel hält nichts mehr in Berlin. Ihre Partei, die CDU, zerreißt sich in Intrigen und Diadochenkämpfen auf dem Weg in die Opposition. Die neue Regierung, voraussichtlich eine Ampelkoalition, kommt ohne die Hilfe der Regierungschefin auf Abruf zustande.

„Time to Say Goodbye“: Zeit für eine Abschiedstour für die ewige Kanzlerin. Noch einmal in die Ewige Stadt, einmal noch in die Heilige Stadt – zur Privataudienz neulich beim Papst im Vatikan und zu Mario Draghi in Rom, am Wochenende schließlich nach Jerusalem zur neuen israelischen Staats- und Regierungsspitze. Als Draufgabe eine weitere Ehrendoktorwürde, diesmal aus Haifa.

Der Pas de deux mit einem Parteifreund ging indessen in Israel daneben. Eine missliche Lage hatte Sebastian Kurz zur Absage seines Jerusalem-Besuchs gezwungen. Möglich, dass Merkel in ihrer Amtszeit nochmals in Österreich vorbeischauen wird. Wien ließ sie zuletzt aber links liegen – die Türkisen und ihre Prätorianergarde waren ihr nicht ganz koscher. Als Dauerkartenbesitzerin, ein Kurz-Abschiedsgeschenk, wird sie den Salzburger Festspielen treu bleiben – womöglich bei Verdis „Die Macht des Schicksals“. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2021)