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Faktencheck

Auch Geimpfte im Spital: Wirkt die Impfung überhaupt?

Coronavirus - Intensivstation
Covid-Station im KrankenhausAPA/dpa/Sebastian Gollnow
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Die Anzahl der Geimpften, die im Krankenhaus behandelt werden, ist zeitweise prozentuell recht hoch. Ein Hinweis auf eine schlecht wirkende Impfung ist dies aber noch nicht. Die meisten der Patienten mit Impfdurchbrüchen sind immunsupprimiert, alt oder schwer krank.

Wie wirksam ist die Impfung wirklich? Diese Frage wird in impfskeptischen Kreisen nach wie vor aufgeworfen - etwa gestützt auf den Verweis, dass die Zahl der Impfdurchbrüche in Österreich massiv steige. Die "Pandemie der Ungeimpften" sei nichts als ein Werbeslogan, das sehe man auch an der Zahl der Geimpften in Tiroler Spitälern, heißt es etwa in einem Facebook-Posting.

Doch was steckt hinter der Behauptung? Tatsächlich steigt in Österreich der Anteil der Impfdurchbrüche. Das lässt sich anhand der regelmäßig erscheinenden Berichte der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) zu Impfdurchbrüchen erkennen. Am 31. August 2021 wurden seit Februar 3,15 Prozent symptomatische Corona-Fälle verzeichnet, die gleichzeitig vollständig geimpft waren. Dieser Wert stieg wöchentlich, und liegt aktuell bei 7,82 Prozent. Betrachtet man nur die letzten vier Kalenderwochen (KW 35-38) waren unter den symptomatischen Corona-Fällen 28,70 Prozent vollständig geimpft.

Das ist allerdings kein Hinweis darauf, dass die Corona-Impfung unzureichend wirkt. Rein statistisch ist zu erwarten, dass wenn der Anteil der Geimpften in der Bevölkerung steigt, auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass unter den Covid-19-Fällen Geimpfte sind. Das erklärt sich daraus, dass obwohl die Impfung sehr gut wirkt, nicht alle Infektionen vermieden werden können.

Corona-Fälle in Tiroler Spitälern

Als weiteren Beleg für die vermeintlich unzureichende Impfwirksamkeit nennen Kritiker zuletzt oft die vom FPÖ-Politiker Peter Wurm genannten Zahlen zu Geimpften in Tiroler Krankenhäusern. "Kritischen Medizinern" zufolge seien mit Stand 22. September 67 Prozent der Corona-Patienten in Innsbruck doppelt geimpft gewesen, auf der Intensivstation 30 Prozent. In Tirol habe der Anteil der doppelt Geimpften auf Normalstationen 46 Prozent betragen, auf Intensivstationen 34 Prozent.

Die Tiroler Landesregierung und auch die AGES erheben keine offiziellen Zahlen zu Impfdurchbrüche, einzelne Krankenhäuser nennen allerdings Zahlen. So seien etwa an der Uniklinik Innsbruck mit Stand 6. Oktober fünf der acht Corona-Patientinnen und Patienten auf der Normalstation geimpft gewesen (62,5 Prozent). Drei der zehn Corona-Patienten auf der Intensivstation waren demnach geimpft (30 Prozent). Mit Stand 22.9. seien sogar acht der zehn Corona-Patienten auf der Normalstation geimpft gewesen (80 Prozent). Bei den Intensivpatienten ist das Verhältnis gleich geblieben.

Nicht alle positiven Patienten Impfdurchbrüche

Die scheinbar hohen Zahlen bedeuten nicht, dass die Corona-Impfung unzureichend wirkt, betonen sowohl die Tiroler Landesregierung, die AGES als auch die Tiroler Kliniken. Zum einen gilt hierbei nämlich zu beachten, dass es sich bei geimpften Patienten in Krankenhäusern, die positiv getestet werden, nicht automatisch um Impfdurchbrüche handelt. Etwa, wenn Patienten wegen Nierenversagen auf der Intensivstation liegen, die zufällig positiv auf Corona getestet werden. Diese zählen dann zwar als Coronafälle, aber nicht als Impfdurchbrüche.

Dem AGES-Bericht vom 28. September zufolge lag der Anteil der Fälle von Impfdurchbrüchen mit Krankenhausaufnahme in den letzten Kalenderwochen nur bei 0,09 Prozent. Auch wenn die Zahlen aufgrund der verzögerten Übermittlung der Daten wohl etwas höher sind, der Anteil der Impfdurchbrüche unter Krankenhauspatienten ist jedenfalls aber verschwindend gering.

Beim Anführen reiner Prozentzahlen Geimpfter auf Intensivstationen wird häufig außer Acht gelassen, wie groß bzw. klein die Gruppe der Corona-Intensivpatienten insgesamt ist. Viele Menschen, die früher wegen Corona auf Intensivstationen gelandet wären, müssen jetzt aufgrund ihres Impfschutzes nicht mehr dorthin. Ist die Zahl der Intensivpatienten per se gering, können sich können sich Prozentwerte durch einzelne Zuwächse oder Abnahmen stark ändern.

Eine unreflektierte Verwendung solcher Prozentzahlen monieren auch die Tiroler Kliniken: "Bei den geimpften PatientInnen handelt es sich größtenteils um immunsupprimierte (Transplantation, Autoimmunerkrankung), onkologische oder sehr betagte PatientInnen.“ Bei diesen Patienten könne die Impfung entweder nicht ihren vollen Schutz entfalten, oder der Schutz lasse schneller nach. Dem Sprecher der Tirol Kliniken zufolge sind die Tiroler Zahlen ein Beleg, dass die Impfung gut helfe, weil sie schwere Verläufe verhindere.

Studienlage zur nachlassenden Schutzwirkung der Impfung

Zutreffend ist, dass es Hinweise gibt, dass die Schutzwirkung der Corona-Impfung bei bestimmten Gruppen mit der Zeit nachlässt, wie u.a. aus einem internen Dokument der Ampel-Kommission hervorgeht. Demzufolge sei die Zahl der voll immunisierten Patienten auf Intensivstationen leicht im Steigen.

Darauf deuten auch mehrere Studien hin. Einer Untersuchung der US-Gesundheitsbehörde CDC (September 2021) zufolge sank die Wirksamkeit des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs innerhalb von ein paar Monaten auf 77 Prozent. Moderna blieb demnach mit seiner Wirksamkeit bei 92 Prozent. Auch eine britische Preprint-Studie (August 2021) ergab, dass die Wirksamkeit der Corona-Impfung bei der zuletzt stark aufgetretenen Delta-Variante mit der Zeit nachlässt. Zwei Studien des renommierten "New England Journal of Medicine" (Oktober 2021) zufolge war die Immunantwort sechs Monate nach Erhalt der zweiten Dosis "deutlich verringert". In der zweiten Studie wird allerdings beschrieben, dass der Schutz vor Hospitalisierung und Tod auf einem stabilen Niveau geblieben war.

 

 

 

(APA/red.)