Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Filip Dewinter: „Belgien existiert nicht“

(c) EPA (JOHANNA GERON)
  • Drucken

Der Fraktionsvorsitzende des ultrarechten flämischen Vlaams Belang, Filip Dewinter, spricht sich für eine sofortige Spaltung Belgiens aus. Den Islam bezeichnet er als den größten Feind der europäischen Lebensweise.

Die Presse: Die Koalitionsverhandlungen in Belgien dauern schon über vier Monate. Flämische und wallonische Parteien können sich nicht auf eine Lösung einigen. Ist das Land unregierbar?

Filip Dewinter: Belgien existiert nicht, es ist ein künstliches Land. Es gibt keine belgische Nationalität oder Identität. Flamen und Wallonen haben nichts gemeinsam. Weder Wirtschaft, Sprache noch Kultur. Die beiden Landesteile wählen sogar unterschiedlich – die Wallonen sozialistisch, die Flamen liberale und rechte Parteien. In Wahrheit gibt es doch nur einen Belgier, und das ist der König. Dieser versucht nun seinen Job zu retten, indem er immer wieder neue Mittelsmänner findet, die die Koalitionsverhandlungen endgültig vor dem Scheitern bewahren sollen.


Wird es also zur baldigen Spaltung des Königreichs kommen?

Ich bin Separatist. Für mich stellt sich nicht die Frage, ob Flandern unabhängig wird, sondern nur, wann es endlich so weit ist. Die an den Verhandlungen beteiligten Parteien versuchen immer noch, den todkranken Patienten Belgien am Leben zu erhalten. Doch wenn jemand so krank ist wie dieses Land, hilft nur noch die Sterbebegleitung. Für den Vlaams Belang ist klar: Die einzige Verhandlung, die wir mit den Wallonen führen wollen, ist jene über die Spaltung des Landes. Das könnte in 48 Stunden erledigt sein.


Sollte es wirklich zur Spaltung kommen, welchem Landesteil würde die jetzige Hauptstadt Brüssel angehören?

In Brüssel dominiert zwar die französische Sprache, nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung sprechen Flämisch. Doch die französischsprachigen Brüsseler sind zum Großteil Flamen und wollen nicht zur Wallonie. Warum sollten sie auch? Die Wallonie ist das Albanien Westeuropas. Es ist der letzte sozialistische Ein-Parteien-Staat. Die Wirtschaft in der Wallonie ist ein Desaster. Jedes Jahr fließen etwa 400 Millionen Euro von Flandern in die Wallonie, weil sich der Landesteil anders nicht über Wasser halten könnte. Die Wallonen verfolgen das Prinzip einer Hängematten-Wirtschaft: Sie warten, bis das Geld aus Flandern kommt. Die Arbeitslosenrate in der Wallonie ist doppelt so hoch wie jene im Norden. Außerdem ist Brüssel ohnehin umgeben von flämischem Hoheitsgebiet, wäre also schon allein deshalb zu Flandern zu zählen.

In ganz Europa haben rechte Parteien in den vergangenen Monaten stark dazugewonnen. Der Vlaams Belang dagegen musste im Juni Stimmenverluste hinnehmen. Was lief falsch?

Wir haben sicherlich nicht die falsche Strategie verfolgt. Doch in Belgien gibt es zahlreiche Parteien, die ähnliche Programme haben wie wir. Die Konkurrenz ist also viel größer als etwa in Österreich. Vor allem die neu gegründete N-VA hat uns viele Stimmen weggenommen. Zudem haben nicht nur die Linken, sondern auch die Liberalen und Konservativen schon vor den Wahlen klargemacht, dass sie mit uns keine Regierungsgespräche führen werden. So könnten wir nicht einmal eine Regierung stützen wie etwa Geert Wilders in Holland. Das hat sicherlich viele Wähler verschreckt.


Was kann Ihre Partei von der FPÖ lernen, die bei der Wien-Wahl vor drei Wochen stark zugelegt hat?

Wir können Positives und Negatives lernen: Schlecht war sicherlich die Ein-Mann-Politik, die die FPÖ zu Zeiten Jörg Haiders verfolgt hat. Wenn sich alles auf eine Person fokussiert, ist das einer demokratischen Partei unwürdig. Dies hat letztendlich auch zur Spaltung und tiefen Krise des rechten Lagers in Österreich geführt. Heinz-Christian Strache macht das hingegen ausgezeichnet. Wir können vieles von ihm lernen, wie beispielsweise die moderne Art, Wahlkampf zu führen und so junge Wähler anzusprechen. Auch das Konzept, nicht nur typisch rechte Themen wie die Immigration zu bedienen, sondern auch Soziales und Umweltschutz, ist eine kluge Taktik. Die FPÖ ist eine der erfolgreichsten Rechts-Parteien in Europa und wird es noch weit bringen.


Wie beurteilen Sie die Islam-Debatte in Deutschland und die Aussage Angela Merkels „multikulti ist tot“? Wandern die Konservativen jetzt mehr nach rechts?

Merkel hat natürlich recht. In Wahrheit bedeutet Multikulti doch Multikonflikt. Es ist ein idealistischer Ansatz, der mit dem Kommunismus gleichzusetzen ist, weil es ja die Gleichschaltung aller Kulturen bedeuten würde. Das sehen jetzt auch die Konservativen ein und übernehmen zum ersten Mal das Gedankengut der Rechts-Patrioten – was sie natürlich niemals zugeben würden.


Was läuft schief bei der Integration der islamischen Gesellschaft in Europa?

Der Islam ist der größte Feind unserer Lebensweise. Seine Anhänger sind überall und führen einen heiligen Krieg gegen unsere Kultur: Nicht militärischer Art, sondern auf kultureller, demografischer und politischer Ebene. Europa war in der Geschichte immer schon der Erzfeind des Islam, und die Immigration ist eine seiner größten Waffen. Doch unsere Kultur ist jener des Islam weit überlegen, deshalb müssen wir sie auch verteidigen.


Wie wollen Sie das tun?

Mir ist klar, dass man nicht alle Islamisten zurückschicken kann. Doch wer in Europa lebt, muss sich nicht nur integrieren, sondern auch anpassen. Jemand, der nach den Grundsätzen des Islam lebt, kann kein Bürger Europas sein.


Haben Sie in Wien auch für anderes Zeit als für die FPÖ-Konferenz?

Ich werde den Aufenthalt dazu nützen, Blumen an der Statue von Prinz Eugen niederzulegen. Er hat Wien von den Türken befreit und ihm haben wir zu verdanken, dass wir in einem freien Europa leben.

Zur Person

Filip Dewinter ist seit dem Jahr 2006 Fraktionsvorsitzender des flämischen Vlaams Belang, einer stramm rechtsgerichteten separatistischen Regionalpartei in Belgien. Dewinter ist seit seiner Schulzeit politisch aktiv. Als Sechzehnjähriger gründete er die Vlaamse Scholieren Actie Groep. 1982 zog er nach Antwerpen, um dort Politik- und Sozialwissenschaft zu studieren. Ein Jahr später schloss er sich dem damaligen Vlaams Blok (heute Vlaams Belang) an. Dewinter ist verheiratet und hat drei Töchter.

Auf Einladung der FPÖ treffen sich am Wochenende in Wien Vertreter europäischer Rechtsparteien: Filip Dewinter, Kent Ekeroth (Schwedendemokraten), Jan Slota (SNS), Vertreter der Lega Nord und der dänischen Volkspartei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2010)