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Berlin-Briefing

In Deutschland verglüht der Stern des Sebastian Kurz

Beim nächsten Wahlkampf ist er wohl nicht mehr dabei: Sebastian Kurz bei der Schlusskundgebung der CSU vor der Landtagswahl 2018.(c) APA/dpa/Peter Kneffel (Peter Kneffel)
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Manchen Konservativen galt der ehemalige Bundeskanzler als Projektionsfläche für ihre eigenen Sehnsüchte. Damit ist es erstmal vorbei. Plus: Was Kevin Kühnert über das „System Kurz“ denkt und wie Kurz ein klitzekleines Scherflein im Rennen um die Kanzlerkandidatur beigetragen haben könnte.

Einer der Nebeneffekte der österreichischen Regierungskrise ist, dass nun Deutsche den Österreichern erklären können, was in Österreich los ist. Zum Beispiel Kevin Kühnert, ehemaliger Juso-Rebell, heute stellvertretender SPD-Vorsitzender und mit 32 Jahren die große Nachwuchshoffnung der deutschen Sozialdemokratie. Vorneweg: Er mache „super gerne" Urlaub im Nachbarland, wo man ihm Almdudler serviere. 

„Ich war mir immer sicher, dass dieses System Kurz früher oder später scheitern wird“, sagte Kühnert in einem Podcast der „Welt“. „Diese traditionelle Bodenständigkeit und dieses Folkloristische, wovon Österreich lebt, das ist aus meiner Sicht, als jemand, der da wirklich viel Zeit in seinem Leben verbracht hat, auf Dauer so nicht kompatibel mit diesem von Ehrgeiz zerfressenen Strebertum, was Kurz und sein ganzes Umfeld da vorleben.“

Darüber ließe sich diskutieren. Genauso wie über die ziemlich steile und wohl nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung, es gebe „Kontinuität von Falco bis Sebastian Kurz quasi“, bei „Perversion, Drogen und Psychoanalyse“. Mit diesen drei Worten soll Conchita Wurst laut dem „Welt"-Podcaster einmal das Land beschrieben haben. Auf die Schnelle auffindbar war das erwähnte Zitat nicht.

Kühnert vertiefte seine Einschätzungen über Österreich nicht wirklich. Auf meine Anfrage dazu reagierte er bisher leider auch nicht. So ein Podcast ist eben eine launigere Veranstaltung als ein Zeitungsinterview, da lässt sich nicht jedes Wort auf die Waagschale legen. Abseits davon ist das Interesse an Österreichern in Berlin in diesen Tagen groß: Bei Pressekonferenzen wird man von den Kollegen ausgefragt, Interviewte wollen vor dem Beginn des eigentlichen Gesprächs erstmal wissen, wie der „Austrian native“ die politische Lage in der Heimat einschätzt.