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Pizzicato

Im Hofburgtheater

Unsere Nachbarn blicken neiderfüllt aufs Wiener Parkett. Diese Eleganz, Geschmeidigkeit, Wendigkeit beim Polit-Donauwalzer: ein Schritt vor, zwei Schritte zurück und schließlich ein Schritt auf die Seite.

Linksrum und rechtsrum. Schwindelerregend, wie sich alles dreht. Die ÖVP-Vortänzer exerzieren den Freunden in der Union vor, wie sie Tomasi di Lampedusas Prinzip aus „Der Leopard“ mit Leben füllen: „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, ist es nötig, dass sich alles verändert.“ Samt Treueschwüren und Unterschriftenlisten, die 24 Stunden später Makulatur sind.

Von derlei Rochaden können Armin Laschet, Markus Söder und die Co-Intriganten nur träumen – von den barocken Hofburg-Kulissen und dem Fiakeridyll am Ballhausplatz ganz zu schweigen. Und dann erst die Parlamentsdebatte im Hofburgtheater mit Protagonisten und Nebendarstellern, die jederzeit eine Rolle in Martin Kušejs Burgtheater bekämen: eine türkise Ministerin wie eine schwarze Witwe auf der Regierungsbank, Herbert Kickl alias Robespierre samt Buchpräsent für seinen ÖVP-Widerpart und Beate Meinl-Reisinger mit den Chat-Protokollen für den Neo-Kanzler.

Zur ganz großen Geste schwang sich Alexander Schallenberg indes nicht auf: Nancy Pelosi hatte Donald Trumps Rede zur Lage der Nation im Kongress demonstrativ in Stücke gerissen. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2021)