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Zahlungsmittel

Bargeld hat in Österreich (fast) immer Saison

Je teure, desto unbeliebter wird Bargeld.
Bei Beträgen ab 100 Euro kommen Kartenzahlungen deutlich häufiger vor.APA/HARALD SCHNEIDER
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In der Pandemie griffen die Österreicher verstärkt zur Karte, wie Zahlen der Nationalbank zeigen. Vom Aussterben ist das Bargeld in diesem Land aber noch lange nicht bedroht.

Die Österreicher und ihr Bargeld – das ist eine selten schöne Liebesgeschichte. Doch die Pandemie hat dem seit Jahrzehnten so eingespielten Team übel zugesetzt – und die beiden auf etwas Distanz zueinander gebracht. Zumindest geht das aus einer Umfrage der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Demnach gaben rund ein Fünftel der Österreicher an, während der Pandemie weniger Bargeld verwendet zu haben. Die Mehrheit unter ihnen denkt auch nicht daran, dies künftig zu ändern. Unter dem Strich ist die Bargeldnutzung laut OeNB im Jahr 2020 gegenüber dem Vorkrisenjahr um 13 Prozentpunkte zurückgegangen. Es wurden folglich „nur mehr“ rund 66 Prozent der Transaktionen am Point of Sale – also an der Kasse – mit Bargeld durchgeführt. Auch der Bargeld-Anteil am Gesamtwert der Transaktionen ist zurückgegangen – von 58 Prozent (2019) auf 51 Prozent im Jahr 2020.

Das hat auch damit zu tun, dass Kartenzahlungen in der Pandemie beliebter wurden. Sie machten 2020 immerhin schon 27 Prozent der Transaktionen aus – wobei es hier um die klassischen Debitkarten geht. Auf Zahlungen mit Kreditkarte entfielen lediglich zwei Prozent. Auf Apple Pay oder Blue Code, beide machen Geld-Transaktionen via Smartphone möglich, entfielen nur 0,7 Prozent der Zahlungen. „Erwartungsgemäß ist dieser Anteil bei den unter 30-Jährigen am höchsten und sinkt mit zunehmendem Alter“, so die Nationalbank.

Je höher die vor Ort zu zahlenden Beträge sind, desto häufiger griffen die Österreicher auf Karten oder digitale Formate (wie Überweisungen) zurück. Im stationären Handel werden Beträge unter zehn Euro zu 80 Prozent in bar beglichen. Bei über 100 Euro sind es nur noch 42 Prozent. Ab Summen dieser Größenordnung kommt auch die Kreditkarte am häufigsten zum Einsatz – sie macht dann schon fünf Prozent der Transaktionen aus.

Zahlungsarten in Österreich
Kartenzahlungen steigen mit der bezahlten Summe.Petra Winkler

Der Anteil kontaktloser Debitkartenzahlungen, bei dem die Eingabe des PIN–Codes nicht mehr notwendig ist, ist gegenüber 2019 von damals 28 Prozent um nun 16 Prozentpunkte gestiegen. „Wir nehmen an, dass dieser Anstieg auf eine gewisse Unsicherheit während der Pandemie und auf die Vereinfachung dieser Zahlungen durch die Erhöhung des Transaktionslimits von 25 auf 50 Euro zurückzuführen ist“, resümiert OeNB-Direktor Eduard Schock. Insgesamt scheint die Pandemie den Trend zu Kartenzahlungen bei Verbrauchern jedenfalls beschleunigt zu haben, schlussfolgert die Notenbank weiter.

Weniger Kleinbeträge

Der damaligen Empfehlung der Regierung, möglichst viele Kontakte zum Schutz vor Infektionen einzuschränken, ist die Bevölkerung jedenfalls nachgekommen, wie sich anhand der Anzahl der Kleinbetragszahlungen zeigt. Beliefen sich 2019 noch 40 Prozent aller Transaktionen an der Kasse auf unter zehn Euro, ist dieser Anteil im Vorjahr auf 33 Prozent gesunken. Das deckt sich beispielsweise auch mit den Berichten zahlreicher Supermarktketten, wonach Kunden – vor allem während der Ausgangsbeschränkungen – seltener kamen, dafür aber größere Einkäufe tätigten. Bei vielen Verbrauchern hat die Pandemie auch dazu geführt, dass sie öfter online bestellten. Im Netz beglichen sie ihre Rechnungen meist mittels Überweisungen oder E-Payments, wozu Klarna oder Paypal zählen.

Die Beziehung der Österreicher zu Bargeld ist deshalb aber nicht in Gefahr. 65 Prozent sprechen sich für weiter für „die Erhaltung von Bargeld in seiner derzeitigen Form“ aus. Und: Es bleibt das beliebteste Zahlungsmittel.(nst)


[RVCUX]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2021)