Sie sind auf dem Holzweg

Zwischen Petersilien- und Alu-Hochzeit oder: Warum Faymann und Pröll, selbst wenn sie Erfolg haben, auf dem Holzweg sind.

Zwei tragische Ereignisse haben diese Woche ein Schlaglicht auf eine Institution geworfen, die im Kontext mit Personen des öffentlichen Lebens zusehends an Bedeutung verliert. Der Tod von Thomas Fuchsberger trifft seine Eltern, den Schauspieler und TV-Moderator Joachim „Blacky“ Fuchsberger sowie seine Frau Gundula, nach 57-jähriger Ehe. Der deutsche Altkanzler Helmuth Schmidt muss den Tod seiner legendären Ehefrau Loki beklagen. Nach 67 Ehejahren. Nur zum Vergleich: Der kürzlich verstorbene Tony Curtis war mit seiner um 45 Jahre jüngeren, sechsten Ehefrau Jill knapp zwölf Jahre verheiratet.

Hätten alle seine Ehen so lange gedauert wie diese letzte, wäre Curtis auch nur um fünf Jahre länger verheiratet gewesen als Loki und Helmuth. Da so lange Verbindungen zwischen Prominenten und Normalsterblichen gleichermaßen selten sind, stehen die Hochzeitsjubiläen zur Benennung des Außergewöhnlichen zur Verfügung.


Verflixt zwischen Zucker und Kupfer. Die Schmidts haben knapp die Gnadenhochzeit verpasst, die man nach 70 Ehejahren feiern darf, und an der steinernen Hochzeit gekratzt, die nach 671/2 Jahren ansteht. Die Eiserne nach 65 Jahren war ihnen noch vergönnt. Zwischenschritte zwischen den fünfjährigen Jubiläumsabständen finden sich übrigens – außer bei 67 1/2 Jahren – nur bei 37 1/2mit der Aluminiumhochzeit (die in der Abkürzung als Alu-Hochzeit einiges an Würde einbüßt und stark an Leichtmetallautozubehör gemahnt), der etwas läppischen Petersilienhochzeit nach zwölfeinhalb Jahren und der Zinnhochzeit nach sechseinhalb Jahren. Das verflixte siebente Jahr (die Zeit zwischen Zucker- und Kupferhochzeit) wird also zwecks besserer Überbrückung zur Sicherheit gleich noch einmal unterteilt.

Eine Ehe auf maximal fünf Jahre steht dieser Tage in Loipersdorf auf dem Prüfstand: Die Große Koalition muss dort versuchen, ein Budget zusammenzubringen. Und das, obwohl Faymann und Pröll gerade einmal die nach zwei Jahren fällige Baumwollhochzeit hinter sich gebracht haben. Sollten sie bis zum Ende der Legislaturperiode durchdienen, würden sie die Holzhochzeit begehen. Man kann es als drehen und wenden, wie man will: Sie sind auf dem Holzweg.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2010)

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