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Rüstung

Türkische Kampfdrohnen für Marokko und Äthiopien sorgen für Unruhe

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Bayraktar TB2 auf der Fliegerbasis Geçitkale in der Türkischen Republik Nordzypern.APA/AFP/BIROL BEBEK
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Die unbemannten Fluggeräte Typ Bayraktar TB2 haben in jüngster Zeit auf Gefechtsfeldern etwa in Libyen und im Kaukaus für Furore gesorgt. Weitere Exporte nach Nord- und Ostafrika könnten nun größere politische Verwerfungen auslösen.

Eines der aktuell sozusagen erfolgreichsten Exportprodukte der Türkei dürfte die politischen und militärischen Spannungen in mindestens zwei Weltregionen und zwischen einer Vielzahl von Ländern weiter anheizen. Informierten Kreisen zufolge, auf die sich die Nachrichtenagentur Reuters bezieht, wird die Türkei Kampfdrohnen vom Modell Bayraktar TB2 des Herstellers Baykar Technologies (Istanbul) auch nach Marokko und Äthiopien exportieren.

Das Geschäft mit Marokko war schon seit Frühjahr bekannt, es geht um 13 Maschinen - nun wurden aber die ersten Drohnen kürzlich ausgeliefert. Neu hinzugekommen ist Äthiopien, wo seit 2020 Bürgerkrieg zwischen der Zentralregierung in Addis Abeba und der Region Tigray herrscht. Um wie viele es geht, ist unbekannt, es gab allerdings auch hier schon im Sommer Gerüchte, dass türkische Techniker mindestens zehn Drohnen in Addis Abeba montieren würden. Diese Fluggeräte, die bis zu 150 Kilogramm an Waffen und Aufklärungssystemen tragen können (lasergelenkte Bomben, Luft-Boden-Raketen, Minen, Kameras), würden im Tigray-Konflikt gewiss eingesetzt, darüberhinaus aber die bereits schwierigen Beziehungen zwischen der Türkei und Ägypten verschlechtern.

Grundkonflikt wegen Nilstaudamm

Grund für Letzteres ist die Krise zwischen Ägypten und Äthiopien wegen des heuer in Betrieb genommenen äthiopischen Wasserkraftwerks am Blauen Nil, dem Grand Ethiopian Renaissance Dam. Kairo fürchtet, vereinfacht gesagt, dass die Äthiopier damit die Befüllung des Nils reduzieren und das durchaus als Waffe gegenüber den Staaten am Unterlauf (Sudan, Ägypten) benützen könnten. Ein Vertrag über Wasserentnahme- und Aufstaurechte kam bisher nicht zustande.

Laut Reuters sei Kairo kürzlich in den USA und mehreren ungenannten Staaten Europas vorstellig geworden, damit die dortigen Regierungen auf Ankara einwirken, den Drohnen-Deal zu stoppen. Wie das bewerkstelligt werden soll, ist nicht zuletzt angesichts der Schwäche Europas und der klaren Großmachtambitionen der Türken unklar.

Womöglich werden für die Drohnen noch Bauteile aus solchen Staaten benützt, das war etwa hinsichtlich Kanadas und Großbritanniens der Fall. Allerdings haben sich die betreffenden Firmen von dort auch auf Druck ihrer Regierungen von der Belieferung der Türken wieder zurückgezogen. Die bauen die betreffenden Elemente oder Alternativen dafür jetzt eben selbst.

Entwicklerteam von Baykar anno 2014.Bayhaluk/CC BY-SA 4.0

Die Lieferungen an Marokko stehen wiederum vor dem Hintergrund des aktuellen schweren Zerwürfnisses des Königreichs mit Algerien. Man dürfte es allerdings auch etwa in Spanien ungern sehen, wenn der nicht ganz einfache südliche Nachbar, den man zugleich als „Türsteher" gegen illegale Migration benützen muss, so moderne Aufklärungs- und Waffensysteme besitzt.

Die Bayraktar-Drohnen sowie ähnliche vergleichsweise günstige und einfach zu benützende Modelle anderer Staaten haben in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil sie mit großer Effektivität auf Kriegsschauplätzen benutzt worden sind, etwa in Syrien, Libyen und im vorjährigen Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach.

Entscheidend im Krieg Armenien - Aserbaidschan

In Libyen unterstützte die Türkei damit im Zuge einer „Militärintervention auf Sparflamme", also ohne große Truppenverbände, die international anerkannte Regierung in Tripolis gegen die rebellischen Kräfte aus Ostlibyen, hinter denen primär Russland, die Arabischen Emirate und Ägypten stehen. Der eindeutige Sieg der Aseris im kurzen Krieg gegen Armenien vorigen Herbst war erheblich Drohnen wie diesen zuzuschreiben, die Stellungen, Panzer und Geschütze praktisch unbemerkt anfliegen und dann beschießen konnten; der psychologische Effekt der jähen Attacken aus der Luft durch relativ kleine, umgekehrt schwer zu treffende Fluggeräte war auch erheblich.

Zumindest über Libyen wurden dann aber doch Bayraktars in größerer Zahl abgeschossen, weil es dort geeignete Fla-Waffen dafür gab und gibt. Seit 2019 sollen mindestens 40 Stück zerstört worden sein, umgekehrt zerstörten solche Drohnen aber auch eine ganze Reihe moderner Flugabwehrwaffen vom russischen Typ Pantsir-S (ein Mixsystem mit Raketen und Maschinenkanonen).

Ursprünglich Motoren aus Österreich

Die Bayraktar TB2 hatte ihren Erstflug 2014 und wurde seither wohl mehr als 200 Mal gebaut, Details sind unklar, wie es bei solchen Geräten eben oft der Fall ist. Die von einem Ottomotor betriebene Drohne (Leermasse 420 Kilogramm) kann mehr als 24 Stunden in der Luft bleiben, in Höhen von mehr als 8000 Metern und bei Geschwindigkeiten von über 200 km/h bzw. rund 130 km/h im Dauerbetrieb. Die Länge beträgt 6,5 Meter, die Flügelspannweite 12 Meter. Ursprünglich wurden Motoren des Herstellers Rotax aus Österreich benutzt, der sich allerdings 2020 daraus zurückgezogen hat. Als Preis werden je nach Konfiguration um die fünf Millionen Dollar genannt.

Bewaffnungsbeispiel: Panzerabwehrraketen des türkischen Modells UMTAS von Roketsan.VoidWanderer/CC BY-SA 4.0

Die Drohnen sind fernsteuerbar, können aber auch automatisch ins Zielgebiet fliegen, dort kreisen und wieder zum Startort zurückkehren. Der Waffeneinsatz erfolgt jedenfalls per Fernsteuerung.

Derzeit dürfte die Türkei für Militär und andere Sicherheitsdienste mehr als 140 solcher Drohnen im Bestand haben. Wie viele Aserbaidschan besitzt, ist unklar, weitere bekannte Nutzer waren zuletzt die Ukraine (mindestens ein Dutzend) und Katar (6), der Bestand in Turkmenistan ist unbekannt; das Nato-Mitglied Polen hat heuer 24 Stück bestellt. Als Interessenten gelten auch Länder wie Albanien, Bulgarien, Ungarn, Serbien, Lettland und der Irak.

(Reuters/wg)