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Wiener Musikverein

Gershwin at his Best

Die Wiener Symphoniker unter Manfred Honeck spielten mit Rudolf Buchbinder als brillantem Solisten.

Noch sind, selbst im Wiener Musikverein, die Säle nicht voll. Aber nach und nach zieht der Konzertalltag, wie man ihn jahrzehntelang als selbstverständlich angesehen hat, wieder ein. Was sich auch an so manchen störenden Hustern und im Versuch, schon nach dem dritten Satz von Tschaikowskis Sechster zu applaudieren, zeigte. Ob es auch an dieser unerwarteten Pause lag, dass das abschließende Adagio weniger konzentriert musiziert wurde als die Sätze davor? Besonders im sorgfältig zelebrierten Stirnsatz und im mit schwebender Elegance präsentierten Allegro con grazia zeigten die Wiener Symphoniker, wie hervorragend sie sich mit Manfred Honeck verstehen und dass sie bereit sind, mit ihm bis aufs Äußerste zu gehen.

Musikalischer Spaß bei Schulhoff

Selbst bei ihnen davor kaum bekannten Stücken, wie fünf Streichquartettsätzen von Erwin Schulhoff. Diese hat Honeck zusammen mit Tomáš Ille für großes Orchester bearbeitet. Eine mit unterschiedlichen rhythmischen Mustern pointiert spielende Abfolge von Walzer, Serenade, tschechischer Folklore, spanischem Tango, zuletzt eine virtuos dahinwirbelnde Tarantella. Sie darzustellen machte dem Orchester sichtlich und hörbar Spaß. Und auch dem Publikum, dem Applaus nach zu urteilen, hat es sehr gefallen.

In ganz andere Gefilde führte der Mittelteil, Gershwins gleichermaßen der klassischen Dreisätzigkeit wie der hohen Kunst der Improvisation verpflichtetes Concerto in F für Klavier und Orchester. Der Solopart ist mit Schwierigkeiten nur so gespickt, bei der Uraufführung 1925 spielte ihn Gershwin selbst. Der Erfolg war enorm, fünf Jahre danach stand das Konzert als einzige amerikanische Komposition auf einer Liste der 50 besten musikalischen Werke.

Eigentlich unverständlich, warum es in unseren Breiten eher selten aufgeführt wird. Rudolf Buchbinder freilich setzt es schon seit einem halben Jahrhundert auf seine Programme, es ist ihm ein besonderes Anliegen. Daran ließ er an diesem Abend im Musikverein keinen Zweifel, er spielte es mit Bravour und einem mitreißenden Schwung sondergleichen. Ideal auch die vom swingenden Glanz des Werks inspirierte, überaus flexible Begleitung durch die von Manfred Honeck souverän durch die zahlreichen Klippen des Werks geführten Symphoniker. Eine Modellinterpretation.


[RVHER]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2021)