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Wahlkampfauftakt in türkiser Inszenierung: In der Wiener Stadthalle am 23. September 2017.
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ÖVP

Aufstieg und Fall der türkisen Bewegung

Wie eine kleine Gruppe die Macht in der ÖVP und dann in der Republik übernahm. Und sich nachträglich in jenen Seilen verhedderte, die sie zum Aufstieg benutzt hatte. Eine Geschichte aus der Grauzone zwischen Zielstrebigkeit und Karrierismus.

Es war der letzte Gipfel vor dem Fall. Stolz standen sie da, die Eltern, die Schwiegereltern, die Handys nach oben gehalten. Die Delegierten jubelten und klatschten, auch die Landeshauptleute. Einer von ihnen, der Tiroler Günther Platter, durfte im Festzelt dann das Ergebnis verkünden: 99,4 Prozent für Sebastian Kurz! Ein Parteitag ganz zugeschnitten auf ihn war das zuvor gewesen, keine lästigen Fragen und Debatten, ein Festakt für den Kanzler. Zufrieden stand auch Bundesgeschäftsführer Axel Melchior im Festzelt in St. Pölten, an diesem 28. August 2021, sichtlich stolz auf die gelungene Regie.

Und die Regie war von Beginn an gelungen in der türkisen Partei, die als Bewegung gestartet war. So modern, so frisch, so marketingmäßig auf der Höhe der Zeit war keine andere Partei, man hatte die Neos von 2013 noch einmal überflügelt. Sebastian Kurz und ein enger Kreis um ihn hatten die Köpfe zusammengesteckt, seit seiner Zeit als Außenminister, ja eigentlich schon seit seiner Zeit als Integrationsstaatssekretär, und hatten die „Marke Kurz“ geschaffen. Auch die „Liste Kurz“ geisterte damals schon herum, sollten die altvaterischen Granden der ÖVP in Bünden und Ländern nicht einsehen, dass die Zukunft nur Sebastian Kurz gehören konnte.