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Pizzicato

Die „Moffen“ im Spiegelbild

Wenn die Titelmacher des „Spiegel“ in Hamburg ans Werk gehen, ist mitunter Gefahr in Verzug – insbesondere, sobald nationale Eigenheiten zu Klischees gerinnen.

 Ein Revolver auf einem Teller Pasta samt Einschusslöchern: Seit ein „Spiegel“-Cover in den 1970er-Jahren ein Zerrbild des Mafia-Staats zeichnete, kann Italien ein Lied davon singen. Detto die „Alpenrepublik“: „Oh Österreich!“, so der Titel zur Hochzeit H.-C. Straches vor der Explosion der Ibiza-Bombe, illustriert ein von Alpendodeln bevölkertes Bergidyll.

Nun also das Narco-Land Niederlande: „Käse, Koks und Killer“, lautet in Alliteration der knallige Titel der lesenswerten Coverstory vor dem Hintergrund von Tulpenfeldern und Windrädern. Wie auf dem Tablett serviert sie die Nationalfigur als bekiffte Frau Antje mit Tracht, Joint, Kalaschnikow und Käselaib mit Kokain-Beuteln.

Die nachbarschaftlichen Beziehungen, so viel ist klar, wird das Titelbild nicht fördern. Ist von einer privaten Krise die Rede, sprechen Rheinländer ja gern von „Holland in Not“. Umgekehrt schimpfen Niederländer die Deutschen spätestens seit der Nazi-Besatzung „Moffen“ – das Äquivalent zu „Piefkes“. Warum Deutsche dann in Scharen ins benachbarte Ausland einfallen? Um dem grauen Alltag zu entfliehen? Deutsche Radtouristen in den Niederlanden könnte alsbald das Muffensausen befallen.

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2021)