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Wenn Zeitreisen möglich wären

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SymbolbildUnsplash
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Vorwärts oder rückwärts: Zeitreisen dienen in der Literatur und im Film oft, um Fehler zu beheben. Was würden wir ungeschehen machen? Etwa den Klimawandel?

Sollte es eines Tages zu einem Weltuntergang kommen, haben wir eine letzte Chance: Wir könnten als Zeitreisende in die Vergangenheit fahren und den Fehler beheben. Vorausgesetzt, wir kennen diesen Fehler, und vorausgesetzt, es wäre ein einziger. Doch wir wollen optimistisch bleiben, das wird dann schon klappen! (Fürs Klima: frühe Dampfmaschinen zerschlagen?) In ­Filmen existiert dieser einzige Fehler jedenfalls immer und wird verlässlich korrigiert.

Vergangenheitszeitreisen beschäftigen unsere Fantasie, die Literatur ist voll von ihnen. Herbert Rosendorfer schrieb seine „Reise in die chinesische Vergangenheit“ (1983), und Kurt Vonnegut ließ ein „Timequake“ (1996) beben. Physiker bestätigen uns jedoch die Unmöglichkeit von Vergangenenbesuchen. Größere Hoffnung: Zukunftsreisen wie bei Dornröschen. Louis-Sébastien Mercier eröffnete das Genre mit dem Buch „Das Jahr 2440. Ein Traum aller Träume“ (1771), die berühmte „Zeitmaschine“ von H. G. Wells erschien 1895.

Utopien

Trotz fehlender Evidenz für erfolgreich absolvierte Zeitreisen melden sich gelegentlich Zeitreisende. Einer der prominentesten: ein gewisser John Titor. Zwischen Jänner und März 2001 postete er in Onlineforen. Titor behauptete, als US-Soldat aus dem Jahr 2036, aufgrund einer Weltrettungsaktion, in unsere Epoche zurückgereist zu sein. Er erzählte zum Beispiel von einem amerikanischen Bürgerkrieg (ab 2005), der in einen kurzen, brutalen Dritten Weltkrieg (2015) mündete. (Nun, und immerhin sprach er von einer großen Pandemie.) Sollten prophezeite Ereignisse ausfallen, könnten Zeitrückreisende wie Titor allerdings behaupten, ihr Eingriff hätte sie verhindert. Nur: Hätte er dann darüber berichten können? Und produziert das nicht unendlich viele Parallelwelten?

Wir sehen uns hier dem sogenannten „Großvaterparadoxon“ gegenüber, dessen logische Kapriolen schon H. G. Wells beschäftigten. Was geschieht zum Beispiel, wenn Zeitreisende die Idee verwirklichen, 1889 das Baby Adolf Hitler zu töten? Was geschieht dann mit uns, unserer Sozialisation, unserer Freiheit­lichen Partei? Haben wir am Ende nie gelebt?