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Möbeldesign

Der Bauch als Designberater

Einer muss doch die Entwürfe abnicken: Oft ist es das Bauchgefühl. Dem Zufall überlässt Designer Alexander Gufler trotzdem nicht allzu viel.

Wenn Kreative an ihren Entwürfen tüfteln, basteln sie gleichzeitig auch noch an etwas anderem: an ihrem eigenen Erfolg. Und manche Designer und Designerinnen, die das Präfix „Industrie-“ in ihrer Berufsbezeichnung besonders ernst nehmen, wissen, dass man Erfolg da draußen auf dem Markt vor allem in einer Einheit misst: in den verkauften Stückzahlen. Dafür braucht man Fabriken, die so groß sind, dass man erst mal ausgiebig staunt, wenn man zum ersten Mal dort ist. So ist es dem Wiener Designer aus Südtirol, Alexander Gufler, ergangen. Als er in Bystŕice pod Hostýnem die Holzbieger bei TON sah. Allein sie sind der menschliche Faktor im industriellen Kontext, der auch in großen Stückzahlen unersetzbar bleibt: „Das Holzbiegen lässt sich nicht automatisieren“, sagt Gufler. Er ist inzwischen Artdirector bei TON und weiß: Die Helden der Gestaltung sind die Bieger, die täglich acht Stunden an den heißen Öfen stehen.


Vor Jahren stand Gufler selbst noch ganz woanders. Und das nicht nur im vertikal gedachten Konzept der Karriereleiter. Leicht aufgeregt wartete er auf der Kölner Möbelmesse, der IMM Cologne, auf seine Chance. Zwei Prototypen hatte er damals in seinem Repertoire. Einen konstruktiv und visuell etwas sperrigeren Entwurf, wie Gufler meint, aus Massivholz. Und einen anderen, der in seiner Logik und Erscheinung deutlich zugänglicher wirkte. Aus Sperrholz. Und heute, ein paar Jahre und so einige Entwurfserfahrungen später, kann er sich auch erklären, warum. „Visuelle Klarheit im Entwurf ist ein wichtiger Faktor, selbst wenn der Stuhl im Detail noch so komplex sein sollte. Gestalterische Klarheit funktioniert in den verschiedensten Kontexten“, sagt Gufler. Und der Stuhl, der damals in Köln noch „Berta“ hieß, ist seitdem unter dem Namen „Merano“ um die Welt gegangen  – als Bestseller.