Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Sport-Club

Beim Laufen auf dem Friedhof in der Falle gesessen

Unter anderem das ursprüngliche Grab von Theodor Herzl findet sich auf dem Döblinger Friedhof.
Unter anderem das ursprüngliche Grab von Theodor Herzl findet sich auf dem Döblinger Friedhof.(c) Michaela Bruckberger
  • Drucken

Eine Runde zwischen Gräbern hat etwas, solang man dabei nicht eine Trauergemeinde stört.

Die einen halten Laufen auf Friedhöfen für pietätlos, die anderen sehen kein Problem, die parkähnlichen Anlagen auch in eine Laufrunde mit einzubeziehen. Als jemand, der in Simmering aufgewachsen ist, habe ich da ja einen eher unverkrampften Zugang – wenn man früher mit der Großmutter zum Füttern von Eichhörnchen stundenlang den Zentralfriedhof durchwandert hat, wird es wohl auch in Ordnung sein, die Runden etwas schneller zu drehen (und die Eichhörnchen Eichhörnchen sein zu lassen). Tatsächlich bietet der Zentralfriedhof wunderbare Laufstrecken – und dank seiner Weitläufigkeit ist es auch kein Problem, einen großen Bogen um Abschiedsfeiern und Trauerzüge zu machen.

Doch nicht alle Friedhöfe eignen sich gleichermaßen als Laufstrecke. Der Döblinger Friedhof kann etwa richtiggehend zur Falle werden. Denn es gibt nur einen Eingang – und direkt daneben die Aufbahrungshalle. Wenn sich dort genau in dem Moment, in dem man hineinläuft, eine Trauergemeinde versammelt, wird es bitter. Man will ja nicht schwitzend und keuchend die Würde dieses Moments stören. Möglichkeit eins: Tempo raus, kehrtmachen, den Friedhof verlassen und draußen weiterlaufen. Möglichkeit zwei: schnell um die Ecke und die geplante Kilometerzahl innerhalb der Friedhofsmauern, aber außer Sichtweite der Trauergemeinde absolvieren. Im Nachhinein betrachtet wäre Möglichkeit eins wohl besser gewesen. Denn auf den verschlungenen kleinen Wegen so lang zu laufen, bis die Trauergäste wieder weg sind und man halbwegs würdevoll wieder hinauskann, kann sich ziemlich ziehen. Immer wieder aus der Ferne zu linsen, ob die Luft langsam rein ist, lässt keinen guten Rhythmus entstehen. Und dann fühlt man sich auch irgendwie deplatziert, wenn man sieht, wie gerade für den Verstorbenen rote Luftballons in Herzform aufsteigen . . .

Es war am Ende eine eher nachdenkliche Runde. Die Pace hat keine Rolle mehr gespielt.

[RW0GS]

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2021)