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Humanitäres Engagement

Projekt in Afrika: „Jetzt ist endlich Erntezeit“

Bettina Glatz-Kremsner mit den Gewinnerinnen des Abends (v. l.): Maria Rösslhumer (Autonome Österreichische Frauenhäuser), Judith Hartweger (Gruft) und Christine Wallner (Africa Amini Alama).(C) Die Presse/Clemens Fabry
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Christine Wallner wurde für ihr Hilfsprojekt Africa Amini Alama geehrt. Je 10.000 Euro gingen auch an die Autonomen Frauenhäuser und die Gruft.

Zwölf Jahre lang steckte Christine Wallner all ihr Herzblut in Africa Amini Alama – ein Hilfsprojekt, das vor allem Kinder und Jugendliche in Tansania unterstützt. „Ich habe das Gefühl: Jetzt ist endlich Erntezeit“, sagt Wallner.

Denn für ihr Schaffen erhielt die Allgemeinmedizinerin nun bei der Austria-Gala die Auszeichnung als Österreicherin des Jahres in der Kategorie Humanitäres Engagement. „Es ist so schön, dass ich mit dieser Auszeichnung aufhören kann“, sagt Wallner. Denn im Vorjahr gab sie das Projekt an ihre Tochter Cornelia Wallner-Frisee, ebenfalls Ärztin, weiter. „Ich habe mich ganz und gar eingebracht“, so Wallner. „Aber auch meine Tochter hat es lang begleitet. Es war nämlich alles andere als ein Alleingang.“

Das Preisgeld von 10.000 Euro will Africa Amini Alama (was übersetzt so viel wie „Afrika, du hast mein Vertrauen“ bedeutet) für einen eigenen Hilfsfonds für Hungerleidende einsetzen. „Gerade in Coronazeiten müssen ja leider wieder viele Menschen Hunger leiden“, sagt Wallner. „Es gab natürlich auch in der Vergangenheit immer wieder Katastrophen und Ernteausfälle, bisher haben wir da so gut wie möglich an anderen Stellen etwas abgezwackt. Jetzt haben wir endlich einen eigenen Hungerfonds, um zu helfen.“

Mit dem Sieg gerechnet habe Wallner nicht: „Ich war gar nicht darauf vorbereitet. Ich konnte mir nicht vorstellen, mit solch bekannten Institutionen wie den Frauenhäusern und der Gruft gemeinsam auf einer Bühne ausgezeichnet zu werden.“ Denn neben Wallner wurden auch Judith Hartweger, Leiterin der Obdachloseneinrichtung Gruft, und Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser, geehrt und durften je 10.000 Euro entgegennehmen. Die Kategorie Humanitäres Engagement, bei der ausschließlich die „Presse“-Leserinnen und -Leser über die Gewinnerinnen entschieden haben, es also keine Fachjury gab, ist die einzige mit Dotierung.

Das Projekt Africa Amini Alama finanziert sich durch Spenden, ehrenamtliche Arbeit und den Betrieb einer Massai-Lodge sowie zwei Gästehäusern. 2009 begann Wallner ihre Arbeit in Tansania aber lediglich mit dem Erlös des eigenen Hauses, das sie nach ihrer Pensionierung verkauft hatte. Auf einer Decke am Boden behandelte die Ärztin anfangs Menschen vor Ort. Durch die Hilfe von Spenden und ehrenamtlicher Unterstützung ist das Projekt mittlerweile enorm gewachsen.

Gerade in Coronazeiten müssen ja leider wieder viele Menschen Hunger leiden. Durch das Preisgeld haben wir jetzt einen eigenen Hungerfonds, um zu helfen.

Christine Wallner, Africa Amini Alama

Mit ihre Tochter eröffnete Wallner 2010 eine Krankenstation in Momella, dem Hauptgebiet von Africa Amini Alama. Dort werden vor allem Maasai und Meru aus der umliegenden Gegend behandelt. Projekte wie ein Waisenhaus und eine Schule folgten. Besonders auf medizinische Hilfe und Bildung für Kinder konzentriert sich die Hilfsorganisation. „Es braucht vor allem ein geordnetes System, damit die Kinder in Liebe erzogen werden können. Wir helfen nicht nur zu überleben, sondern zu leben“, so Wallner.

Die Pandemie hat die Arbeit von Africa Amini Alama erschwert. Nicht vor dem Virus an sich hätten viele Afrikaner Angst, sondern vor der drohenden Armut. „Die Menschen dort sind gewöhnt mit Krankheiten wie Malaria umzugehen. Angst herrscht deshalb eher davor, ihre Arbeit zu verlieren.“ Selbst hat Wallner, die vor Ort gern „weiße Heilerin“ genannt wird, in Afrika eine zweite Heimat gefunden.

Schon als Kind habe sie gespürt, „dass da eine große Nähe zum afrikanischen Volk ist“, wie sie sagt. Als 21-Jährige reiste Wallner das erste Mal auf den Kontinent, nun lebt sie zeitweise dort. Nach wie vor fasziniert Wallner die afrikanische Kultur: „Es ist sehr inspirierend, dass die Leute nicht an gestern oder gar morgen denken. Sie leben einfach im Hier und Jetzt. “

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2021)