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Forschung

Ein Teamspieler für die Wissenschaft

Ein Österreicher des Jahres, den man nicht vorstellen muss. Niki Popper (l.) tritt seit Beginn der Pandemie vielseitig erklärend auf. Den Preis überreichten Klaus Pseiner und Henrietta Egerth von der FFG.Die Presse/Clemens Fabry
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Die Auszeichnung zum Österreicher des Jahres machte den versierten Kommunikator Niki Popper kurz sprachlos. Er lobte den Wert von Forschungsförderung.

„Papa, dein Team sollte den Preis gewinnen.“ Das gab der Sohn Niki Popper mit auf den Weg in die Sofiensäle am Mittwochabend. Und ja, als Popper die Austria21 in der Kategorie Forschung in den Händen hielt, bedankte er sich zuerst bei seiner ihn stark unterstützenden Familie und gleich darauf bei seinem Team: „Das ist euer Preis!“ Die Gedanken zur Dankesrede sammelte Niki Popper erst in der Bim-Fahrt zur Gala, wirklich gerechnet habe er nicht mit dem Sieg, sagt er. „Jetzt bin ich ein bissl sprachlos, was mir ziemlich selten passiert“, waren die ersten Worte ins Mikrofon. Die Aufregung war größer, als wenn er im Bundeskanzleramt auf Regierungsgranden trifft. Seinem tollen Team verdankt Popper unter anderem, dass er jetzt nicht mehr selbst jede Woche im Corona-Krisenstab sitzt, sondern andere die Informationen und Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung in den Ministerien durchdiskutieren.

Mit Simulationsmodellen kann man ein Stück Erkenntnis gewinnen, wie die Welt funktioniert, ohne sich bei Fake News oder Verschwörungstheorien zu bedienen.

Niki Popper, Informatiker und Gründer des Unternehmens DWH

Tja, diesen Österreicher des Jahres braucht man eigentlich nicht vorzustellen. Wer Niki Popper nicht kennt, hat die vergangenen eineinhalb Jahre verschlafen. Seit Beginn der Pandemie ist der Gründer des TU-Wien-Spin-offs DWH viel gefragter Experte zu Simulationen und Prognosen, welche Maßnahmen zu welchen Ergebnissen führen können. Schon am 18. März 2020 erschien in der „Presse“ das erste Interview mit ihm, zu Beginn des ersten Lockdowns: Es ging um die Reduktion der Kontakte und darum, Ansteckungszahlen zu verringern. Auch jetzt sagt er: „Es gibt nichts Cooleres, als Simulationsmodelle zu bauen: So kann man ein kleines Stück Erkenntnis gewinnen, wie die Welt funktioniert, ohne sich bei Fake News oder Verschwörungstheorien zu bedienen.“

Was über Popper weniger bekannt ist, ist sein Werdegang. „Ich habe das Studium der Jazztheorie abgebrochen, ebenso ein Saxofon- und ein Philosophie-Studium. Aber Computer-Mathematik habe ich abgeschlossen“, erzählt er. Seine Ausbildung führte ihn außer nach Wien auch nach Barcelona und Moscow (im US-Bundesstaat Idaho), bevor er an der TU Wien in ein Forschungsteam für Modellierung und Simulation einstieg.

In der Dankesrede richtete Popper sein Wort auch explizit an die Forschungsförderungsgesellschaft FFG, deren Direktorenteam, Henrietta Egerth und Klaus Pseiner, in der ersten Reihe saß: „Gruppen wie meine werden zu 100 Prozent von Forschungsförderung finanziert. Ohne öffentliche Gelder könnten wir es nicht schaffen. Eine Kollegin, die ein Kind bekommt, hätte z. B. ihre Dissertation jetzt nicht abschließen können.“

Game-Changer aus der Wissenschaft

Henrietta Egerth und Klaus Pseiner betonten in ihren Statements bei der Austria-21-Gala den Wert der freien Forschung: „Ohne sie wären Game-Changer wie der Covid-Impfstoff nicht möglich gewesen.“ Und auch die Entwicklung der Nachweise einer Infektion im Blut konnte nur durch solide Grundlagenforschung so schnell aus dem Hut gezaubert werden. Der ebenfalls zum Österreicher des Jahres nominierte Florian Krammer war hier maßgeblich beteiligt: Der Boku-Wien-Absolvent konnte aber nicht an der Gala teilnehmen, sondern schickte seine Grüße aus New York City, wo er an der Mount Sinai School of Medicine die Reaktion des Immunsystems auf unterschiedlichste Erkrankungen erforscht.

Weiters unter den bestplatzierten Nominierten in der Kategorie Forschung war die Zoologin Angela Stöger-Horwath, die das Mammal Communication Lab der Uni Wien leitet – und den Abend in den Sofiensälen genossen hat. Sie ist weltweit führend in der Erforschung der Kommunikation von Elefanten und anderen Tieren. Ihr Buch „Von singenden Mäusen und quietschenden Elefanten“ hat es soeben auf die Longlist zum Wissenschaftsbuch des Jahres geschafft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2021)