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Digitalisierung und Innovation

Milliarden-Broker und Tech-Fisch-Züchter

Die drei Bitpanda-Gründer (v. l.) Paul Klanschek, Christian Trummer und Eric Demuth erhielten den Sonderpreis für Digitalisierung und Paul Schmitzberger von Blue Planet Ecosystems jenen für Innovation(C) Fabry
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Die Sonderpreise gingen dieses Jahr an das Fintech-Einhorn Bitpanda und den Entwickler nachhaltiger Fischzucht Blue Planet Ecosystems.

Der 16. März 2021 war nicht nur für Bitpanda bedeutsam, sondern auch für die gesamte österreichische Start-up-Wirtschaft. Denn an diesem Tag wurde das in Wien beheimatete Fintech zum ersten Einhorn, das Österreich je hervorgebracht hat. Die Bewertung lag im Rahmen einer Finanzierungsrunde also erstmals über einer Milliarde US-Dollar. Heute, gerade einmal ein halben Jahr später, ist dieser Wert schon längst wieder Geschichte. Bereits im August wurde die Bewertung von Bitpanda bei einer neuerlichen Finanzierungsrunde auf inzwischen 4,1 Milliarden Dollar angehoben.

Aber es ist nicht die monetäre Bewertung, weswegen das von Eric Demuth, Paul Klanschek und Christian Trummer gegründete Unternehmen im Rahmen der Austria21 den Sonderpreis für Digitalisierung erhalten hat, sondern die konkrete Arbeit. „Als Firma gehören wir sicher zu den Vorreitern der Digitalisierung in Österreich“, sagt Klanschek. Denn unter dem Strich ist Bitpanda ein höchst erfolgreicher Softwarekonzern, der sich im Bereich des Online-Trading eine technologische Spitzenposition erarbeitet hat.

Ein Faktor, der auch bei Banken und anderen Fintechs immer stärker gesehen wird. So bietet Bitpanda seit Kurzem an, dass seine Technologie als sogenanntes White-Label-Produkt in die Services anderer Firmen eingebaut wird. „Banken und andere Fintechs rennen uns deswegen gerade die Bude ein“, sagt Demuth. Grund dafür sei, dass es in der schnelllebigen Zeit für andere viel zu teuer oder schlicht unmöglich sei, den technologischen Vorsprung, den sich Bitpanda seit der Gründung im Jahr 2014 aufgebaut hat, auf eigene Faust aufzuholen.

Wie ernähren wir die Menschheit in Zukunft, ohne die Umwelt zu zerstören?

Paul Schmitzberger, Gründer von Blue Planet Ecoystems

Damals war das Unternehmen, das zu Ende des Jahres rund 850 Mitarbeiter beschäftigen soll, als Händler für Kryptowährungen wie Bitcoin gestartet. Inzwischen wurden die Brokerdienste dabei auf sämtliche Assetklassen ausgeweitet. Und mit der Möglichkeit, auch nur Teile von Aktien kaufen zu können, wolle man die Investmentmöglichkeiten auch für Menschen mit geringeren Möglichkeiten erleichtern. „Bisher wurden Leute oft von der Finanzwelt ausgeschlossen, weil sie nicht genug Geld hatten“, so Demuth. Ein Problem sei aber auch das vielfach fehlende Finanzwissen. Auch hier wolle man mittels der eigenen Bitpanda-Academy für mehr Bildung sorgen. Die App solle zum Begleiter und Berater in sämtlichen Anlagethemen werden, so die Vision.

Innovation

Paul Schmitzberger hat vor zweieinhalb Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Georg und dem Molekularbiologen Thomas Daniele das Unternehmen Blue Planet Ecosystems gegründet. Und zwar in San Francisco. Denn dort fand das Trio die ersten Geldgeber. Mittlerweile haben sie den Firmensitz nach Wien verlagert, im 23. Bezirk arbeiten 17 Mitarbeiter an einem künstlichen Ökosystem für die Fischzucht. „Wir werden immer mehr Menschen auf diesem Planeten, wir holzen die Regenwälder ab und fischen die Meere leer“, sagt Schmitzberger. „Wie ernähren wir die Menschheit in Zukunft, ohne die Umwelt zu zerstören“, lautet also seine Frage. Und als Antwort baut Blue Planet Ecosystems Container, die als „künstliche Teiche“ dienen, in denen Fische heranwachsen. Und zwar auch unter Bedingungen, die das Tierwohl berücksichtigen, betont Schmitzberger. Aktuell werden Barsche gezüchtet. Noch in überschaubaren Mengen. „Wir sind immer noch in der experimentellen Entwicklung“, sagt Schmitzberger. Aber das Unternehmen sucht mittlerweile Standorte in Österreich, um demnächst „unter realen Bedingungen“ zu produzieren.

Ziel sei auch, eine Kreislaufwirtschaft in Gang zu setzen. Die Fische werden selbst gezüchtet. Und mit den Karkassen, die nach dem Filetieren übrig bleiben, sollen Shrimps aufgezogen werden. „Shrimps sind schließlich die Ameisen des Meeres“, sagt Schmitzberger. Am Ende sollen die Fische dort produziert werden, wo normaler Ackerbau nicht möglich ist. Fische aus der Wüste quasi. Denn Blue Planet Ecosystems wollen keine „Fische für den Luxus“ produzieren, sondern um Menschen gesund zu ernähren. Mit Fischen, die nicht mit Mikroplastik und anderen Schadstoffen in Berührung kommen. (jaz/gh)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2021)