Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Fahren mit Strom

Hyundai Kona Electric: Der Star im Schatten

Eigenwillig: Auch der Hyundai Kona ist ein Werk von Design-Maestro Luc Donckerwolke (u. a. Audi A2, Lamborghini Gallardo).
Eigenwillig: Auch der Hyundai Kona ist ein Werk von Design-Maestro Luc Donckerwolke (u. a. Audi A2, Lamborghini Gallardo).Clemens Fabry
  • Drucken

Mit dem Akku in der richtigen Größe, geringem Verbrauch und generell feiner Handhabung ist der Hyundai Kona Electric eine gute Werbung für das Fahren mit Strom.

Der große Star bei Hyundai ist soeben angerollt: Mit dem elektrischen Ioniq 5 schlägt die Marke ein neues Kapitel auf – Eyecatcher-Design und 800-Volt-Architektur auf fast drei Meter Radstand, das ist auch für feine deutsche Marken eine Ansage. Doch das Spektakel der Neuerscheinung soll nicht den Blick verstellen auf ein überaus verdientes Modell in der Palette, das nun eine Aufwertung erfahren hat: den Kona Electric.


Der optisch nun nachgeschärfte Crossover stammt noch aus dem ersten Schwung von Hyundais Elektro-Offensive, kam als solcher 2018 heraus und war vom Stand weg gut beleumundet für sein gewinnendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Anders als der neue Ioniq ist seine Plattform nicht Elektro-only, es gibt den Kona auch mit Verbrennungsmotor und als Hybrid. Umso erstaunlicher, welch gutes, ja überzeugendes Elektroauto der Kona abgibt. Das Modell ist ein Glücksfall im aktuellen BEV-Aufgebot am Markt. Woran liegt's?
Zum einen am Verhältnis von Akku-Kapazität und Stromverbrauch. 64 Kilowattstunden (eine kleinere Variante wird angeboten, will aber kaum jemand) sind ein gutes Maß in der Mitte, das einem noch kein exzessives Fahrzeuggewicht einbrockt – mit um die 1,8 Tonnen, eher drunter, muss der Kona schon als Leichtgewicht im Fach gelten. Was natürlich auch für den Verbrauch vorteilhaft ist – als einer von mehreren Faktoren.


War der Kona viel auf der Autobahn unterwegs, kletterte der Wert auf 16 kWh im Schnitt, nie darüber. Im realistischen Mix mit Stadtverkehr und der üblichen Pendelei lagen wir deutlich darunter, und zwar im Bereich der Werksangabe von 14,7 kWh pro 100 km. Das ist in Summe auf sauberes Engineering zurückzuführen, auf eine günstige Aerodynamik und ein gutes Zusammenspiel hochwertiger Komponenten.

Konventionelles Cockpit, und gottseidank: Nicht alles ist zu wischen, scrollen und wipen, es gibt analoge Regler dort, wo man sie haben möchte, etwa bei Lautstärke und Klima.
Konventionelles Cockpit, und gottseidank: Nicht alles ist zu wischen, scrollen und wipen, es gibt analoge Regler dort, wo man sie haben möchte, etwa bei Lautstärke und Klima.Clemens Fabry

Und es macht den Unterschied bei der Reichweite: Wenn voll geladen 477 Kilometer prognostiziert werden, ist das schon einmal eine gute Ausgangsbasis für richtig lange Etappen ohne Laden, ob in einem Stück angegangen oder verteilt über die Woche.
Dabei mangelt es nicht an Antriebsleistung, schon nominell sind 150 Kilowatt ein Wert auf Höhe der Konkurrenz, etwa VWs ID.3. Schon im Eco-Modus gehorcht die Fuhre so akkurat jedem Tipper auf dem Fahrpedal, dass wir die überschießende Sport-Abstimmung nur ein paarmal ausprobierten. Unter voller Drehmomentlast ist der Frontantrieb bald überfordert, man sollte ja ans Schonen der Pneus denken.


So stromert man in entspannter Ein-Pedal-Fahrweise flott und unbeschwert dahin. Der Kona fühlt sich gut an am Lenkrad, was ausdrücklich auch an der unkomplizierten Bedienung mit wohltuend vielen analogen Reglern liegt. Man will ja nicht nur auf Screens und Sensorflächen tappen. Sauber abgestimmt das Fahrwerk, das ungerührt über schlechte Fahrbahnen hinweggeht und ausreichend agil für quicke Manöver ist.

Eventuell eine Schwachstelle: Der Kofferraum des Kona hat (mit aufrechter Rücksitzbank) Kleinwagenformat.
Eventuell eine Schwachstelle: Der Kofferraum des Kona hat (mit aufrechter Rücksitzbank) Kleinwagenformat.Clemens Fabry


Wir waren in Topausstattung unterwegs und hatten, als einziges Extra neben der feuerroten Lackierung, die Wärmepumpe (1290 Euro) dabei. Mit maximalen 47.290 Euro ist der Kona Electric nicht das Sonderangebot, das man sich vielleicht von Hyundai erwartet. Aber die gebotene Leistung ist eben solide, und die Reichhaltigkeit der Ausstattung – speziell erwähnt sei das Live-Navi, das uns durch seine schlaue Routenführung entzückte – beschämt manch Konkurrenten mit Premiumsiegel. Mit dem Platz muss man halt auskommen: weidlich für vier Passagiere, aber der Kofferraum ist klein.

Und weil Verfügbarkeit gerade ein Top-Thema ist: Laut Auskunft des Importeurs bestehen beim Kona derzeit keine Lieferschwierigkeiten.

Hyundai Kona Electric

Maße: L/B/H: 4205/1800/1570 mm, Radstand: 2600 mm, Leergewicht: 1760 kg, Kofferraum: 332–1114 Liter
Antrieb: PSM a. d. Vorderachse, Leistung: max. 150 kW (204 PS), max. 395 Nm, 0–100 km/h in 7,6 sec, Vmax: 167 km/h, Akku-Kapazität: 64 kWh, Reichweite nach WLTP: 484 km, RW im Test: 460 km, Ladeleistung: AC max. 10,5 kW, DC max. 70 kW
Verbrauch im Test: 14,9 kWh
Preis: ab 39.590 Euro (64 kWh)