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Zeit

Für ältere Semester

2021-10-11_Senior_Stundentinnen_Hauptuni_byAkosBurg
Doris Hartl, Klaus Lichter und Helga Fellner (v.l.n.r.) erleben das Studentenleben der Uni Wien in ihrer Pension.(c) Akos Burg
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Immer mehr Senioren entdecken den Campus für sich. Sie sind eine lukrative Einnahmequelle, die manche Hochschulen für sich zu nutzen wissen.

Soda Hollunder und Tonic Water bringt der Kellner gerade zu den rostbraunen Holztischen, an denen Herta und Brigitte an diesem Montagabend sitzen. Sie treffen einander zu Semesterbeginn, unter herabfallenden Kastanien am Campus der Universität Wien, am Stammtisch der Senioren-Studenten. Seit 1994 kommt Herta Spitaler schon zu diesem Treffen, das sie inzwischen als eine der beiden Initiatorinnen organisiert. Jeden ersten Montag im Monat sitzt die 83-Jährige im Hof des Alten Wiener AKH, mit anderen Senioren-Studenten, um sich auszutauschen. Seit der Corona-Pandemie ist es das dritte Mal, dass man sich wieder persönlich sehen kann. Die Freude darüber ist groß.

4562 sogenannte „Senioren-Studierende“ gibt es aktuell an Österreichs Universitäten, darunter außerordentliche und ordentliche Studierende, die älter als 55 Jahre (Frauen) bzw. 60 Jahre (Männer) sind. Zu den älteren Studierenden an Fachhochschulen, die ebenfalls Senioren-Programme anbieten, verfügt das Wissenschaftsministerium jedoch über keine Zahlen. Fest steht allerdings: Die Gruppe älterer Studierende wächst. In Deutschland etwa waren es 2018/19 bereits 2,8 Millionen Studierende und damit 3,4 Prozent über 40 Jahre. Studienrichtungen wie Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik oder Politikwissenschaft gelten als ihre bevorzugten Disziplinen. Aber auch in den naturwissenschaftlichen Bereichen gibt es immer mehr ältere Studierende.

Spitaler selbst hat ihr Studium längst abgeschlossen. Romanistik begann sie zu studieren, nachdem sie mit 56 in Pension gegangen war. Zuvor hatte sie im Ausland gearbeitet, weshalb sie ein Faible für Italienisch und Französisch entwickelte. Die Idee zum Senioren-Stammtisch kam ihr damals aus Sehnsucht nach Internationalität: „Uns war es wichtig, mit ausländischen Kollegen in Kontakt zu kommen“, sagt Spitaler. Tatsächlich ist auch an diesem Abend am Campus ein deutsch-spanisches Pärchen anwesend, das sich erkundigen will, wie das mit dem Studieren im Alter denn genau funktioniert.