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Haus der Geschichte

„Große Töchter“: Ein pinkfarbenes Denkmal für ein Telefon

Pinkfarbene Pappmaché-Denkmäler – errichtet nicht für Personen, sondern für „Strategien“.
Pinkfarbene Pappmaché-Denkmäler – errichtet nicht für Personen, sondern für „Strategien“.Lorenz Paulus/HDGÖ
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Eine kleine Ausstellung ehrt Initiativen gegen sexistische Diskriminierung – und will partout keine Heldinnen auf Sockel stellen.

Edith Traub hätte nicht gedacht, dass der Bundeskanzler Bruno Kreisky wirklich abheben würde, als sie irgendwann in den 1970er-Jahren seine Nummer wählte. Sie war ihr gegeben worden, nachdem sie im Bekanntenkreis über ihr Leid geklagt hatte: Die gelernte Lehrerin wollte wieder berufstätig werden, ihr Mann erlaubte es aber nicht. Als Familienoberhaupt war es sein gesetzlich verankertes Recht, ihr die Arbeit zu verbieten. Der Kanzler am Telefon soll das erst gar nicht geglaubt haben: „Das gibt es nicht“, lauteten angeblich seine Worte. Dann soll er gesagt haben: „Sie hören von mir.“

Als Gerücht hält sich diese Episode in SPÖ-Kreisen bis heute. Die entsprechende Erzählung der mittlerweile verstorbenen Edith Traub fanden Marianna Nenning und Stefan Benedik, Kuratoren am Haus der Geschichte, nun in einem Oral-History-Interview aus dem Jahr 2011. Und wählten sie als eines von zehn Beispielen dafür, wie Personen oder Initiativen in den vergangenen Jahrzehnten Geschlechterverhältnisse hinterfragt oder Diskriminierung entgegengewirkt haben. Edith Traub hörte tatsächlich noch von Kreisky: Mit der Familienrechtsreform der 1970er wurden Ehepartner gleichgestellt. Ein Mann kann seiner Frau seitdem nicht mehr verbieten, einen Beruf auszuüben. Dazu geführt hatten Proteste – und vielleicht auch jener Anruf im Bundeskanzleramt.