Leitartikel

Ein Drittel-Lockdown als grimmige Drohung

Die Presse/Clemens Fabry
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Die neu geführte Regierung scheut im Kampf um die Impfquote nicht vor unpopulären Drohungen zurück. Ein Lockdown für Impfverweigerer? Würde das Land überfordern.

Erst die Negation erinnert manchmal an die Möglichkeit: Für Geimpfte und Genesene werde es keinen Lockdown mehr geben, versicherten Neo-Bundeskanzler Alexander Schallenberg und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein, die zu zweit, anders als die frühere Paarung Kurz/Anschober, wie unpolitische Mitglieder einer Expertenregierung wirken. Lockdown? Dieser Eingriff in unsere Grundrechte ist doch mit Impfstart ausgeschlossen gewesen? Hat der damalige Bundeskanzler Kurz nicht vom Ende der Pandemie gesprochen? Schallenberg und Mückstein drehen jetzt nicht nur an den Maskenpflicht- und G-Schrauben, sondern stellen eine Drohung in den Raum, die Potenzial hat, das Land in der Impffrage noch stärker zu spalten, als es bisher geschah.

Ab einer bestimmten Anzahl von Coronapatienten auf Intensivstationen (600 Betten) soll es also nur für Impfverweigerer einen Lockdown geben. Wer nicht impft, darf nicht raus, so die schlichte Botschaft. Geimpfte und Genesene dürfen hingegen weiter essen, trinken, tanzen und ins Theater gehen. In einem ungewöhnlich emotionalen Ö1-Interview plädierte die Generaldirektorin für Öffentliche Gesundheit, Katharina Reich, dafür, dieses Szenario erst gar nicht zu erreichen. Wenn aber der Trend fortschreite, werde es „ganz grimmige Situationen“ in den Spitälern geben: Dann müssten drastische Maßnahmen gesetzt werden. Grimmig klingt die Lockdown-Drohung der Regierung jedenfalls.

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