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Führungsfehler

Generationenvertrag

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Kolumne „Führungsfehler“. Der Kolumnentitel stimmt diesmal nicht. Es geht um ein Gespräch zwischen Mutter und Tochter. Einfach zum Nachdenken.

Lass uns diskutieren, sagt die Tochter. Dann versichert sie mir, dass das Folgende nicht persönlich gemeint ist, sondern generisch.

Aber, beginnt sie, es ist doch so, dass ihre Generation den Scherbenhaufen übernehmen muss, den meine Generation anrichtete. Dass ihre Generation nichts dafürkann, jetzt aber reparieren muss, was meine Generation kaputtmachte.

Es ist das Wort „reparieren“, das mich an etwas erinnert. An eine Autofahrt durch die Neunkirchner Allee, als ich so alt war wie sie jetzt. An mein Erschrecken, dass dort, wo seit meiner Kindheit endlose Föhrenwälder standen, dünne Baumgerippe in den Himmel ragten. Der saure Regen.

Damals bliesen Fabrikschlote ungefiltert Abgase in die Luft. Die Autos auch, es gab noch keinen Katalysator. Die Häuser waren grau vor Dreck. Auch in den Autos war es grau, vernebelt vom Zigarettenrauch. Geraucht wurde überall, in der Wohnung, im Beisl, auf der Straße. Meine Mutter hustete tagein, tagaus.

Weißt du, sage ich zu meiner Tochter, du hast recht. Wir haben auch repariert, was die vor uns kaputtgemacht haben. Die Luft, die Flüsse, die Seen. Damals dreckige Jauchen, heute Trinkwasserqualität. Wir haben die Versagen der Vorgeneration erkannt und gekittet. Im Großen mit Umweltgesetzen, im Kleinen mit Mülltrennen, Fleisch reduzieren, Radfahren, Recyclen.

Aber ihr habt neue Fehler begangen, beharrt die Tochter. Richtig, stimme ich ihr zu. Das Plastik. Das C02. Die Erderwärmung. Der Stromverbrauch. Das erkennen wir gerade. Die Tochter nickt.

Aber, sage ich, sei ehrlich, da mischt ihr Jungen fleißig mit. Wer trägt eine Smart Watch am Handgelenk, spricht mit Siri und verbringt seine Freizeit im Netz? Ich nicht. Dass wir alle so viel Plastik, CO2, Strom brauchen, da seid ihr Jungen voll dabei.

Lass es uns reparieren, sagt die Tochter.

Dann umarmen wir uns.

 

Diese Kolumne startete im Jänner 2015 mit dem Anspruch, die lustigen, traurigen, zum Kopfschütteln anregenden, manchmal tragischen Varianten von Führungsfehlern abzubilden. Die finden sich überall: im gigantischen Konzern wie in der Kleinfamilie.

Wenn Sie einen Führungsfehler loswerden wollen, schreiben Sie an: andrea.lehky@diepresse.com

Ähnlichkeiten mit realen Personen und Organisationen sind zufällig und nicht beabsichtigt.