Gefeuert und geheuert: Radiosender duldet keine Islamfeindlichkeit

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In den USA tobt eine Kontroverse um den Radiosender NPR, das amerikanische Ö1. Dabei bezieht NPR ohnedies nur zwei Prozent seines Budgets aus der Staatskasse, genehmigt durch den Kongress.

Was müsste passieren, damit Maria Fekter oder Hans-Christian Strache drohen, dem Radiosender Ö1 die öffentlichen Mittel zu streichen? In überschäumender Aufwallung haben Sarah Palin und Mitstreiter wie die republikanischen Hardliner Newt Gingrich oder Jim DeMint in den USA dem Sender National Public Radio (NPR), gewissermaßen das „amerikanische Ö1“, genau diese Rute ins Fenster gestellt.

Dabei bezieht NPR ohnedies nur zwei Prozent seines Budgets aus der Staatskasse, genehmigt durch den Kongress. Den Rest lukriert die nationale Radiostation aus privaten Spenden. Dass etwa der liberale Milliardär George Soros, Lieblingsfeind der radikalen Tea-Party-Bewegung, die Kultur- und Nachrichtenprogramme mit Millionen-Dollar-Beträgen sponsert, erzürnt derzeit die Konservativen. Unversehens ist die Finanzierung von NPR zum Wahlkampfthema für die in knapp einer Woche stattfindenden Kongresswahlen geworden, zu einer Facette des Kulturkampfs zwischen den selbst ernannten Verfechtern von Rede- und Meinungsfreiheit und den angeblichen Wächtern staatlicher Zensur.

Neuanfang bei Fox News

Der Sender feuerte den altgedienten Journalisten Juan Williams, nachdem er als regelmäßiger Gastkommentator in Bill O'Reillys Politshow auf Fox News anti-islamische Ressentiments geschürt hatte. Er habe Angst, in ein Flugzeug mit Passagieren einzusteigen, die von ihrem Äußeren her deutlich als Moslems kenntlich seien, erklärte er und sprach damit vielen Zusehern aus der Seele. O'Reilly selbst hatte neulich mit noch schärferen Aussagen in der Talkshow „The View“ die beiden Kogastgeberinnen Whoopi Goldberg und Joy Behar aus dem Studio getrieben, als er meinte, Moslems seien als Gesamtheit für den 9/11-Terror verantwortlich. Die „View“-Crew warf ihm vor, nicht zwischen Moslems und islamischen Extremisten zu differenzieren. Seit der Debatte um die Moschee in der Nähe des „Ground Zero“ lodern in den USA anti-islamische Emotionen hoch. Er solle sein Innenleben einzig seinem Psychiater ausbreiten, höhnte NPR-Chefin Vivian Schiller über Exmitarbeiter Williams.

Seit der Kündigung geht eine Protestflut in der Sendezentrale ein, und selbst liberale Geister schließen sich der Empörung an. Indessen war Williams in seiner Doppelrolle schon länger ein Dorn im Auge der NPR-Chefetage. Einmal bezeichnete er Michelle Obama als „Stokely Carmichael im Designerdress“, also als verkappte Radikale. Fox News zögerte indessen keine Sekunde und sicherte sich die Dienste Williams mit einem Vertrag von zwei Mio. Dollar für drei Jahre. Apropos: Gleich an seinem ersten Arbeitstag ist er als Urlaubsersatz für O'Reilly eingesprungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2010)

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