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Leitartikel

Hier geht es weder um Recht noch um Gerechtigkeit

BELGIUM-EU-SUMMIT
Der polnische Premier Mateusz Morawiecki(c) APA/AFP/JOHN THYS (JOHN THYS)
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Bei ihrem Aufstieg haben die Nationalpopulisten Polens Verfassung überrollt. Im Kampf gegen die EU beschwören sie nun ihre Unversehrtheit.

Wer gerne US-Krimis schaut, kennt die Maxime der filmischen Drogenhändler: „Don't get high on your own supply.“ Was so viel bedeutet, dass man als karriereorientierter Krimineller die Finger von dem Stoff lassen soll, den man an seine Kundschaft vercheckt. Aus dem Unvermögen der Protagonisten, sich an diese Regel zu halten, entspinnt sich so manch spannender Plot – und eine ähnliche Dramaturgie lässt sich auch bei den Dealern populistischen Opiums fürs Volk beobachten, die oft den Hang dazu entwickeln, sich an der eigenen Rhetorik zu berauschen, sobald sie einmal im Staatsgefüge fest einzementiert sind. Die Tour de Farce von Recep Tayyip Erdoğan durch die türkische Geldpolitik ist dafür ein aktuelles, aber beileibe nicht einziges Beispiel.

Womit wir bei Polens Regierung angelangt wären, die zusehends den Eindruck erweckt, sich in der Geisterbahn der polnischen Geschichte verlaufen zu haben. Es mag schon sein, dass die Rufe nach deutschen Reparationen und die Unterstellungen, jeder oppositionelle Politiker hätte einen Großvater bei der Wehrmacht und den anderen in der Roten Armee gehabt, bei der gottesfürchtigen Landbevölkerung ziehen. Besorgniserregend wird die Sache dann, wenn Premier Mateusz Morawiecki im Konflikt mit der EU die Toten aus den Mausoleen holt und seinen europäischen Partnern vorwirft, sie würden den Dritten Weltkrieg anzetteln wollen.