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Klares Bekenntnis zum nachhaltigen Bau. Das Plus-Energie-Quartier 21 (PEQ21) in der Pilzgasse in Floridsdorf ist gegenwärtig das Musterbeispiel nachhaltiger Stadtentwicklung. Es demonstriert eindrucksvoll, wie sich die strengeren Nachhaltigkeitsvorgaben in urbanen Quartieren umsetzen lassen.
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Die Qualität des Bauens wird sichtbar gemacht

Round Table. Mit der neuen EU-Taxonomie müssen Immobilienprojekte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, um finanziert zu werden und bei Investoren Anklang zu finden – gleichzeitig bedarf es Wirtschaftlichkeit.

Dem nachhaltigen Bauen gehört die Zukunft. Niedrigstenergiegebäude sind dem Nullenergiestandard verpflichtet. Das geht selbstverständlich mit großen Herausforderungen für die gesamte Bau- und Immobilienbranche einher. Im „Presse“-Branchentalk, der in Kooperation mit der Süba AG veranstaltet wurde, erörterten die Experten, welche Schwierigkeiten, aber auch Chancen diese Veränderungen mit sich bringen. „Presse“-Redakteurin Madlen Stottmeyer begrüßte als Moderatorin der Diskussionsrunde Peter Czapek, CEO der Bank Austria Real Invest, Simon Handler, Geschäftsführer der hacon GmbH, Reinhard Labugger, Ingenieurkonsulent für Bauingenieurwesen im Ingenieurbüro RM Engineering, Petra Schöfmann, Energieexpertin der UIV Urban Innovation Vienna GmbH, und Manfred Wachtler, Vorstand der Süba AG.

Im Zeichen der Umwelt

Die Süba AG ist als Projektentwickler seit mehr als 40 Jahren im Wohn- und Gewerbebau tätig und bekennt sich schon lang zum ressourcenschonenden, nachhaltigen Bauen. Aktuell hat der Bauträger nachhaltige Immobilienprojekte von rund 500.000 m2 Fläche und einem Gesamtvolumen von über zwei Milliarden Euro in der Entwicklung. „Innovative Energiekonzepte werden frühzeitig in der Projektentwicklung integriert“, sagte Wachtler. „Mit verschiedensten innovativen Technologien von Geothermie mit Tiefensonden bis hin zu Fotovoltaik. Wir versuchen in jedem Gebäudeteil und jeden Bestandteil einer Liegenschaft ab der ersten Stunde in der Projektentwicklung die Möglichkeiten zu überprüfen und zu analysieren.“

Aber all diese Projekte müssen auf der anderen Seite auch finanzierbar sein und verlangen nach einer Wirtschaftlichkeit. „Entscheidend ist, dass das nachhaltige Gebäude im Endeffekt auch Investoren und Mieter begeistert“, brachte es Wachtler auf den Punkt. Und hier ist es wichtig, den Investoren bzw. Nutzern den Mehrwert bewusst zu machen. Das kann gelingen, indem man etwa die erhöhte Lebensqualität aufzeigt oder die Bedeutung der gesenkten Betriebskosten in den Fokus rückt.

Gegenwärtig findet dieser Umdenkprozess nur langsam statt. Klar ist aber, dass früher oder später kein Weg mehr an Nachhaltigkeit vorbeiführt. Banken und alternative Geldgeber werden in Zukunft nach nachhaltigen Kriterien verlangen. Das zeigt auch die Entwicklung bei den Auflagen der Bank Austria Real Invest. Die Bank-Austria-Tochter managt den größten Immobilienfond Österreichs (ein Fondsvolumen von rund 4,3 Milliarden Euro). „Wir unterliegen der EU-Taxonomie und den neuen ESG-Kriterien“, sagte Czapek. Zudem muss die Real Invest zukünftig ihre Strategie bekanntgeben und verpflichtet sich zur Dokumentation der Nachhaltigkeit. Wie Czapek betonte, fällt das dem Unternehmen nicht schwer, weil man bereits in der Vergangenheit gründlich dokumentierte, allerdings gäbe es branchenweit Gebäude-Zertifizierungen, die nicht den EU-Verordnungen entsprechen und daher an diese angepasst werden müssen.

Ein wichtiger Schritt

Auf dem Pfad zur CO2-Neutralität 2050 wird die EU-Taxonomie seit vielen Jahren diskutiert. Nun nimmt sie allmählich konkrete Formen an. Trotzdem gibt es noch einige offene Punkte. „Die EU-Taxonomie ist absolut notwendig“, sagte Labugger. Das Ingenieurbüro RM Engineering beschäftigt sich ausnahmslos mit dem Thema nachhaltiges Bauen und somit auch mit den dafür zur Verfügung stehenden Zertifizierungssystemen, die es am Markt gibt. „Wir versuchen Gebäudequalitäten messbar, bewertbar, sichtbar und darstellbar zu machen“, sagte Labugger. „Und dafür gibt es immer bessere Systeme, die man jetzt anwenden kann.“ Die bisherige Berichterstattung der Nachhaltigkeit erlaubte großen (teilweise zu großen) Interpretationsspielraum. „Daraus resultierend kam die EU-Taxonomie, um Greenwashing zu verhindern“, erklärte Labugger, der bei der Umsetzung der Kriterien für Österreich mitwirkte. Die Nachhaltigkeit wird bei der Taxonomie in sechs Themenbereiche unterteilt, definiert und darstellbar gemacht. (Siehe Kasten)

Insgesamt zeigten sich alle Diskussionsteilnehmer der Taxonomie gegenüber positiv gestimmt. „Wichtig ist, dass man das Regelwerk versteht“, meinte Czapek. Je mehr Nachhaltigkeitskriterien man in der Vergangenheit berücksichtigte, desto leichter werde die Anpassung an die neue Taxonomie. „Die Regularien sind für die Unternehmen umsetzbar“, zeigte sich Labugger überzeugt, auch, weil erste geprüfte Projekte deutlich machten: „Viele Unternehmen tun ohnehin mehr, als gefordert wird. Das lässt mich optimistisch in die Zukunft blicken. Mit der Taxonomie werden die Immobilien in Zukunft besser.“

Auch Schöfmann begrüßte den Weg der Europäischen Union und damit die Taxonomie. „Es ist zweifellos ein erster wichtiger Schritt, aber um dem europäischen Gesamtziel näher zu kommen, müssen die Parameter laufend verbessert werden.“ Hier beruhigte Labugger umgehend: „Es ist doch gerade die Idee der EU-Taxonomie, dass sie bis 2050 kontinuierlich angepasst wird.“ Das bedeutet andererseits aber auch, dass ein Bestandsgebäude, das heute als taxonomiefähig gilt, nicht zwingend auch in fünf oder zehn Jahren noch den Taxonomie-Kriterien entsprechen muss – mit anderen Worten: Adaptionen werden unumgänglich sein.

Auf die Partner kommt es an

Und genau deshalb fand es Energieplanungsexperte Handler so wichtig, dass man bei jedem Projekt Weitsicht mitbringt. „Die energietechnischen Anforderungen an Gebäude ändern sich laufend. Dieser Prozess ist noch lang nicht abgeschlossen. Es ist wichtig, bevorstehende Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, um langfristig zukunftsfitte Gebäude errichten zu können.“

Die hacon GmbH beteiligt sich bei dem Plus-Energie-Quartier 21 als Planungsbüro mit der Gebäudekonzeption und liefert die energietechnischen Lösungsansätze. „Die frühe Berücksichtigung des Zusammenspiels von Standort, Gebäude und Technik stellt ein wesentliches Kriterium für die ökonomische Umsetzung moderner und innovativer Gebäude dar“, so Handler. „In der Pilzgasse übertreffen wir damit die Nachhaltigkeitsvorgaben bei Weitem. Wir gehen davon aus, dass das Quartier auch 2050 der Taxonomie entspricht.“ So sollte der Weg aussehen, um High End zu bauen, dass auch morgen noch Bestand hat.

Das spricht für das Zusammenspiel von Forschung und Planung. „Es ist extrem zielführend, wenn die wichtigsten Player früh in ein Forschungsprojekt eingebunden sind“, sagte Schöfmann, Projektleiterin von „Zukunftsquartier 2.0“ (siehe nächste Seite). „Durch die frühzeitige Einbindung spart man sich im Endeffekt Kosten.“ Hier ist das aus „Zukunftsquartier 2.0“ resultierende Projekt Plus-Energie-Quartier 21 (PEQ21) ein Vorzeigebeispiel und zeigt auf, wie Synergieeffekte erzielt werden, wenn von Beginn an alle nachhaltigen Aspekte mitgedacht werden. Schritt für Schritt wurden für PEQ21 Partner an Bord geholt und die Ziele frühzeitig definiert. „Wartet man, bis der Investor Bedingungen stellt, wird das wesentlich teurer, wenn man im Nachhinein Anpassungen vornehmen muss“, sagte Wachtler und gewährte Einblick in die Vorgangsweise der Süba AG. „Bei jedem Liegenschaftserwerb starten wir mit Bodenerkundungen und sehen uns z. B. die Grundwasserverhältnisse an und überlegen uns, welche Energiekonzepte infrage kommen könnten.“ Süba ist bei seinen Projekten nicht mehr von klassischen Energieträgern abhängig. „Jedes Projekt sollte von fossilen Energieträgern wegkommen“, so Wachtlers Rat.

Die große Schwierigkeit ist natürlich, die Vorstellungen und die Theorie in die Wirklichkeit umzusetzen. Mitunter, weil bei der Umsetzung häufig ganz andere Personen am Ruder sitzen als im Planungsprozess.

Weitere Informationen: www.sueba.at & www.peq21.at

EU-Taxonomie

2020 trat das Gesetzgebungsverfahren zur Taxonomie-Verordnung in Kraft. Mit ihr soll eine Klassifizierung für ökologisch nachhaltige Wirtschafts-aktivitäten geschaffen werden.

Die sechs Umweltziele:

  1. Klimaschutz
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. nachhaltige Nutzung und Schutz der Wasser- und Meeresressourcen
  4. Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
  5. Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
  6. Schutz und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme.

Die Anwendung der EU-Taxonomie zu den oben genannten Umweltzielen gilt ab 1. Jänner 2022.

 

Information

Das Branchengespräch zum Thema „Nachhaltiges Bauen“ fand auf Einladung der „Presse“ statt und wurde finanziell unterstützt von SÜBA AG.