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Proteste

Sudan: UNO fordert Wiedereinsetzung der Regierung

Demonstranten errichten Barrikaden gegen das Militär in der sudanesischen Hauptstadt Khartum am 25. Oktober.
Demonstranten errichten Barrikaden gegen das Militär in der sudanesischen Hauptstadt Khartum am 25. Oktober.APA/AFP/-
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In den Tagen seit dem Putsch seien weitere Tote in der Gerichtsmedizin eingetroffen. Und die Proteste gehen weiter. Am Samstag ruft die Demokratiebewegung zu Massenprotesten auf.

Der UNO-Sicherheitsrat hat nach dem Putsch im Sudan vom Militär die Wiedereinsetzung der zivil geführten Regierung verlangt. Das mächtigste UNO-Gremium forderte am Donnerstag nach tagelangen Verhandlungen zudem die Freilassung aller festgesetzten Regierungsmitglieder und einen Gewaltverzicht. Der Rat betonte zudem die "Bedeutung der uneingeschränkten Achtung der Menschenrechte, einschließlich des Rechts auf friedliche Versammlung und freie Meinungsäußerung."

Angesichts der "militärischen Übernahme" machen sich die 15 Ratsmitglieder demnach ernsthafte Sorgen. Jeder Versuch, den demokratischen Prozess im Sudan zu untergraben, gefährde die Sicherheit, Stabilität und Entwicklung des ostafrikanischen Landes.

Unterdessen gingen den vierten Tag in Folge Menschen gegen den Militärputsch auf die Straße. Demonstranten bauten Straßenbarrikaden wieder auf, die in der Nacht von Sicherheitskräften zerstört worden waren. Zudem öffnete der Flughafen in der Hauptstadt Khartum am Donnerstag wieder. Zuvor hatte das Militär nach Angaben des Staatsfernsehens die Führungsspitze der Luftfahrtbehörde ausgetauscht

Am Tag des Militärputsches waren mindestens sieben Demonstranten getötet worden. Einem Gerichtsmediziner zufolge stieg die Zahl der Toten in den vergangenen Tagen aber weiter. Für Samstag rief die Demokratie-Bewegung zu Massenprotesten auf.

Sicherheitskräfte hätten seit Mittwoch versucht, sämtliche Barrikaden zu entfernen und Tränengas sowie Gummigeschoße gegen die Protestierenden eingesetzt, berichtete der Demonstrant Hatem Ahmed aus dem Norden der Hauptstadt Khartum. "Aber wir bauen sie wieder auf, sobald sie weg sind. Wir werden die Barrikaden erst entfernen, wenn die Zivilregierung zurück ist." Die Demokratie-Bewegung im Sudan rief zu "millionenstarken" Protesten am Samstag auf.

Sudanesische Soldaten hatten am Montag die zivilen Mitglieder der Übergangsregierung festgenommen. Vorausgegangen waren wochenlange Spannungen zwischen Befürwortern einer Militärherrschaft und Unterstützern einer Zivilregierung. Der oberste sudanesische General Abdel Fattah al-Burhan rief nach dem Putsch den Ausnahmezustand aus und kündigte die Bildung einer neuen Regierung mit "kompetenten Personen" an.

Gerichtsmedizin berichtet von mehreren Leichen

Gegen den Putsch gingen Tausende Menschen auf die Straße. Die Sicherheitskräfte gingen hart dagegen vor und verschärften die Repression zuletzt noch. In Khartum und der Nachbarstadt Omdurman wurden mehrere Demonstranten getötet. "Sieben Leichen von Demonstranten wurden am Montag in die Leichenhalle gebracht", sagte der Leiter der Gerichtsmedizin am Donnerstag.

Bei einem weiteren Toten handle es sich um ein Mitglied einer paramilitärischen Gruppe. In den Tagen nach dem Militärputsch vom Montag seien weitere Leichen eingetroffen, er könne jedoch keine Angaben zur Zahl der Toten machen, fügte der Mediziner hinzu. Ärzte hatten am Montag zunächst von vier getöteten Demonstranten gesprochen.

Die internationale Gemeinschaft hatte den Putsch im Sudan scharf verurteilt. Die Weltbank und die USA froren für das nordostafrikanische Land bestimmte Hilfsgelder ein, die Afrikanische Union (AU) setzte die Mitgliedschaft des Sudan aus.

Die politische Situation im Sudan ist seit längerem instabil. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Bashir im Jahr 2019 hatte ein sogenannter Souveräner Rat die Regierungsgeschäfte übernommen, in dem sich Militärs und Zivilisten die Macht teilten. Seitdem befand sich das Land in einer Übergangsphase, die 2023 mit der Einsetzung einer zivilen Regierung enden sollte. Eine hohe Inflation, wirtschaftliche Probleme und tiefe politische Spaltungen verschärften aber die Lage.

(APA/AFP)