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Leitartikel

Die klassische Wahl zwischen Pest und Cholera

EZB-Präsidentin Christine Lagarde.APA/AFP/DANIEL ROLAND
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Die EZB muss sich bald entscheiden, ob sie die Euro-Staatsfinanzen oder die Vermögen der Bürger retten will. Eine beunruhigende Vorstellung.

Die Europäische Zentralbank (EZB), die ja ausschließlich ihrem an einer Inflationsrate von zwei Prozent festgemachten Stabilitätsziel verpflichtet ist, hat jahrelang versucht, dieses Ziel in einer deflationären Umgebung mittels Zinsdrückens per massiven Staatsanleihenkäufen zu erreichen. Vergeblich.

Jetzt haben wir aber, nicht zuletzt wegen der Energiepreisexplosion, plötzlich Inflationsraten, die weit darüberliegen, im wirtschaftlich stärksten Land der EU sogar schon auf horrible fünf Prozent zusteuern. Aber von Gegensteuern in Form von Zinserhöhungen und substanziellem Abbau der Anleihenkäufe ist nicht sonderlich viel zu hören.

Wie das? Ist die EZB in erster Linie doch nicht dem Stabilitätsziel verpflichtet, sondern eher der finanziellen Gesundheit der höchstverschuldeten Euroländer? Jedenfalls haben sich die Euro-Notenbanker in eine sehr ungemütliche Situation manövriert. Sie müssen jetzt möglicherweise entscheiden, ob sie die Inflation davongaloppieren lassen oder eine riesige Staatsschuldenkrise in Ländern wie Italien und Spanien riskieren. Die klassische Wahl zwischen Pest und Cholera.