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Leitartikel

Es gibt auch gute Gründe für Zuversicht beim Klimaschutz

(c) imago images
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Selbst wenn die Konferenz in Glasgow wie die meisten zuvor mit vielen unkonkreten Versprechen endet, gibt es beim Klimaschutz auch positive Signale.

Es ist bereits ein gut einstudiertes Ritual. Jedes Jahr im Spätherbst treffen sich die Vertreter sämtlicher Staaten dieser Erde für zwei Wochen in irgendeiner Stadt, um über den Klimawandel und Maßnahmen dagegen zu beraten. Rund um die Konferenz gibt es viel Aufmerksamkeit. Sobald sie vorbei ist, herrscht jedoch das einhellige Resümee, dass die Versprechen zwar groß, die genauen Pläne aber viel zu unkonkret seien. Oder können Sie sich noch an durchbrechende Erfolge aus Madrid, Katowice oder Bonn – den letzten drei Klimakonferenzen – erinnern?

In Glasgow, wo am Sonntag die diesjährige Konferenz startet, liegt die Erwartungshaltung zwar etwas höher. Denn es ist die fünfte Konferenz nach jener von Paris, in der die aktuell gültigen Ziele beschlossen worden sind. Und laut den damals vereinbarten Regeln sollten alle fünf Jahre die Pläne aktualisiert werden, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Doch auch diesmal dürfte es zu wenig sein. Der Grund dafür ist zum Teil systemimmanent. So war die Möglichkeit, nicht bindende nationale Klimaziele definieren zu können, der entscheidende Hebel, dass in Paris überhaupt eine Einigung auf ein globales Abkommen gefunden worden ist.

Das Ziel einer maximalen Erwärmung um 1,5 Grad wird mit den derzeit vorliegenden Plänen jedoch klar verfehlt, zeigte ein Bericht der UN-Umweltorganisation jüngst. Stattdessen sei die Welt in Richtung 2,7 Grad unterwegs. Das Paris-Abkommen erinnert daher immer öfter an seinen Vorgänger, das Kyoto-Protokoll. In diesem verpflichteten sich 1997 die Industriestaaten erstmals zu konkreten Klimazielen. Ein Meilenstein im Kampf gegen den Klimawandel. Bei der Umsetzung haperte es dann aber gewaltig. So lehnten die USA die Ratifizierung ab, Kanada trat Jahre später einfach aus, und die meisten EU-Staaten erreichten ihre Ziele auch nur dank des Zusammenbruchs der osteuropäischen Wirtschaft in den 1990er-Jahren oder – wie Österreich – durch massive Ausgleichszahlungen.

Angesichts dieser Entwicklungen entsteht mitunter die Meinung, sämtliche Maßnahmen seien ein Fehlschlag und die oft beschworene Klimakatastrophe unausweichlich. Das stimmt aber nicht. Dazu muss nur die Welt von heute mit jener vor 30 Jahren verglichen werden. Damals war etwa beim Verkehr klar, dass dieser vollständig auf fossilen Energieträgern basiert. Heuer wurden hierzulande im September erstmals mehr reine Elektroautos als Fahrzeuge mit Dieselmotor verkauft. In Summe sank der Anteil der reinen Verbrenner auf etwas mehr als die Hälfte. Natürlich sind Elektroautos kein Allheilmittel, da entscheidend ist, wie der Strom erzeugt wird. Aber sie sind vorerst die einzige Möglichkeit, um den Verkehr überhaupt zu dekarbonisieren.

Positive Veränderungen gab es aber auch bei der Industrie. In den 1990er-Jahren bedeutete Umweltschutz, dass in den Fabrikschloten Filter für Schadstoffe eingebaut wurden. Über CO2 machte sich noch niemand Gedanken. Heute sind CO2-Emissionen und die dafür notwendigen Zertifikate integraler Bestandteil des Managements von Industrieanlagen. Und deshalb werden auch Maßnahmen zur höheren Energieeffizienz getätigt, die es einst nicht gegeben hat.