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Apple Watch Series 7

Apple-Uhr muss zum Cardiotraining

Von Edelstahl bis Aluminium. Optisch gibt es kaum offene Wünsche.
Von Edelstahl bis Aluminium. Optisch gibt es kaum offene Wünsche.Apple
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Achtsamkeit, Gesundheit und Ausdauer, darauf will die Apple Watch Series 7 für uns achten, dabei geht ihr selbst viel zu schnell die Luft aus.

Apple hat sich lang Zeit gelassen, bis es selbst auf dem Smartwatch-Markt aktiv geworden ist. Nach sieben Jahren ist die Apple Watch ein eigenständiges Gerät und kein verlängerter Arm des iPhones. Die Series 7 lockt dazu mit einem größeren Display, zahlreichen neuen Funktionen, wenn da nicht der Akku wäre und ein vollmundiges Versprechen, das man aber nicht halten konnte.

Optisch wissen die Änderungen zu gefallen. Allen voran das Display, das um 20 Prozent mehr Platz einnimmt als beim Vorgänger. Im Vergleich zur Series 3 hat hier Apple 50 Prozent mehr aus dem Gehäuse rausgeholt. Das macht sich auch direkt in der Nutzung bemerkbar. Die Apps lassen sich leicht auswählen. Vorbei die Zeiten, in denen das Werkzeug eines Uhrmachers hilfreich gewesen wäre. Und die Auswahl reicht immerhin von Gesundheits-Apps hin zur Telefonie und SMS.

Genau hier versteckt sich auch der erste Kritikpunkt. Die vollmundig angekündigte Tastatur auf der Apple Watch Series 7 gibt es nicht für den deutschsprachigen Markt. Sowieso sind nur englisch- und chinesischsprachige Nutzer derzeit mit dieser Funktion bedacht. Will man eine SMS beantworten, muss also weiterhin zum Handy gegriffen werden, oder man quält sich weiter mit dem Zeichenfeld. Wann Apple hier nachliefern wird, bleibt unklar. Zwar gäbe es die Möglichkeit, die Sprache zu ändern, dann ändern sich aber auch die Gradanzeige von Grad auf Kelvin, was vielleicht noch machbar wäre. Bei den Distanzangaben in der Navigation sind aber bereits 250 Meter manchmal schwer zum Abschätzen. Mit Meilen könnte es zu einem größeren Work-out werden als geplant.

Von Aktivität bis Meditation. Die Apple Watch Series, speziell Watch OS 8, das auch auf älteren Modellen verfügbar ist, bietet neben den bekannten Funktionen, wie zahlreiche Sportarten zu erkennen, auch eine Erinnerung, im Arbeitsalltag aktiv zu bleiben. Die stündlichen Erinnerungen aufzustehen, sind dabei anfangs vielleicht ein bisschen befremdlich, sollten aber beachtet werden. Eine kurze Ablenkung hilft und macht den Kopf wieder frei. So verhält es sich auch mit der „Reflektieren“-Funktion. Es erinnert daran, einen Moment innezuhalten, gibt Vorschläge, sich auf ein bestimmtes Thema zu konzentrieren und sich zu fokussieren. Diese sanfte Einführung in die Meditation lässt sich abends bequem einbauen und hilft dabei, den Tag abzuschließen. Auch wenn man mit Meditation im Allgemeinen nichts anfangen kann.

Der Timer, um sich lang genug die Hände zu waschen, ist nett, aber nicht wirklich sinnvoll. Nach eineinhalb Jahren Pandemie sollte das nun wirklich jeder wissen, dass man dafür nur „Happy Birthday“ zum Besten geben muss. Außerdem führt die Funktion dazu, dass sie in wahre Jubelstürme ausbricht, wenn man gerade im Begriff ist, Spinatknödel zu formen.

Der Akku, ein Reinfall. Die Apple Watch ist ein feines Stück Hardware. Es motiviert, sich tagsüber zu bewegen. Die in drei Ringe unterteilten Aktivitäten (Aufstehen, Bewegen, Trainieren) spornen wirklich an, sie zu schließen bis zum Ende des Tages. Ein wahrer Wettlauf gegen sich und leider eben auch den verbauten Akku. Im übertragenen Fitnessjargon: Der Körper ist gestählt, die Muskeln auf Anschlag, die Ausdauer aber die eines Couchpotatoes. Huawei zeigt, dass zwei Wochen Laufzeit keine Herausforderung mehr sind. Die 429 Euro Uhr lechzt hingegen nach 18 Stunden nach einer Strompause.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2021)