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Sexuelle Belästigung online

Datingapp Bumble lanciert Kampagne gegen Dickpics

Viele Frauen bekommen ungewollt sexuelle explizite Fotos geschickt.
Viele Frauen bekommen ungewollt sexuelle explizite Fotos geschickt.(c) Priscilla Du Preez, unsplash
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Das Versenden von sexuelle anzüglichen Fotos soll in Großbritannien strafbar werden. Zumindest, wenn es nach der Dating-App Bumble geht. Wie es außerdem in Österreich rechtlich um Dickpics steht.

Anzügliche Fotos und ungewollte Dickpics. Wer auf Dating-Apps oder auch nur auf Social Media unterwegs sind, kennt die nervige und oft erniedrigenden Erfahrung solcher Nachrichten, Frauen sind davon besonders betroffen.

Eine von vier Frauen meint, dass „Cyberflashing“, so der Überbegriff für Dickpicks und unangebrachte sexuelle Fotos, während der Corona-Pandemie sogar zugenommen habe, wie eine Studie der Dating-App Bumble zeigt. Fast die Hälfte aller Frauen zwischen 18 und 24 (48 Prozent) hätten im letzten Jahr ungewollt ein sexuell explizites Foto erhalten, 59 Prozent der Befragten würden dadurch anderen online weniger vertrauen. Auch eine Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt, dass 46 Prozent der Frauen zwischen 18 und 36 schon einmal ein Penisbild geschickt bekommen haben, 89 Prozent davon ohne darum gebeten zu haben.

Das Versenden von Nacktbildern soll strafbar werden

Die Studie von Bumble ist Teil einer Kampagne des Unternehmens, die darauf abzielt, Cyberflashing in England und Wales strafrechtlich ahnden zu können: „In vielen Ländern ist reales Flashing strafrechtlich relevant und wird mit Strafen oder sogar Freiheitsentzug geahndet. In Schottland ist auch Cyberflashing seit über zehn Jahren ein Sexualdelikt“, heißt es von Bumble. Gemeinsam mit der UNO-Organisation UN-Women möchte Bumble ein Umdenken bei Parlamentsabgeordneten erwirken.

„Flashing ist ein Verbrechen. Online-Flashing sollte es auch sein.“ liest man unter dem Hashtag #digitalFlashingisFlashing auf den Social Media Accounts von Bumble.

 

Rechtliche Lage in Österreich

Auch in Österreich ist eine öffentliche vorgenommene sexuelle Handlung, sobald sie Ärgernis erregt, sich also eine andere Person durch die Handlung ernstlich verletzt fühlt, strafrechtlich relevant. Für das Verschicken von Penisfotos online gilt das allerdings nicht. Das Versenden von „Dickpics“ fällt hierzulande nicht unter sexuelle Belästigung, somit ist es gesetzlich auch nicht geregelt. Während  Deutschland oder Finnland etwa das unerwünschte Versenden von Genital- und Nacktfotos mittels Haftstrafen vergelten, hinkt Österreich hinterher. Hier kann lediglich das wiederholte Verschicken solcher Bilder rechtlich verfolgt werden, indem es als beharrliche Verfolgung eingestuft wird.

Eine deutsche Webseite hat unter dem Namen „Dickstinction“ ein Tool entwickelt mit dem Dickpics in wenigen Minuten zur Anzeige gebracht werden können. Dafür muss einzig das anzügliche Bild hochgeladen, mit Datum, Plattform (Instagram, Whatsapp, Facebook, Tinder etwa) und Username oder Telefonnummer des Täters versehen werden. Solch ein Online-Tool gibt es hierzulande (noch) nicht. Obwohl in Österreich erst zu Beginn des Jahres 2021 das Gesetzespaket „Hass im Netz“ verabschiedet wurde, das die Aufgabe hat, Betroffene zu schützen, bleibt das Problem des Cyberflashings außen vor. Explizite Erwähnung finden Dickpics und ähnliche Fotos nämlich nicht. Somit bleibt das Versenden unangebrachter Genitalbilder in Österreich ein Kavaliersdelikt.

Bei den meisten Social-Media-Plattformen verstößt ein solches Vorgehen zumindest gegen die Nutzungsrichtlinien. Das Profil, von dem das Foto versendet wurde sowie das Foto selbst kann demnach gemeldet werden. Oft ist die Löschung des Accounts die Folge.

(chrima/evdin)