Schon heute baut ein Großteil der Unternehmenssoftware auf freien Quellcode. Eine Übersicht über die wichtigsten Player und größten Deals.
Was als ideologische Bewegung und die Auflehnung gegen Lizenzen begann, hat sich heute als erfolgreichstes Prinzip für die Entwicklung von Software durchgesetzt. Smartphones, soziale Medien, Google, Clouds, Server, sogar das Internet selbst: Open Source ist allgegenwärtig und hat vielen Technologien zum Durchbruch verholfen, manche gar erst ermöglicht. Es wird erwartet, dass nächstes Jahr knapp unter zwei Drittel aller geschäftlich genutzter Software auf Open Source basieren wird und der weltweite Markt für Open-Source-Services bis 2025 auf rund 65 Milliarden US-Dollar wächst, prognostiziert das Investmenthaus Nauta Capital. Das ist knapp eine Verdreifachung von derzeit 22 Milliarden Dollar.
Ein Unternehmen steht stellvertretend für den Erfolg von Open Source und die hohen Summen, die für Übernahmen in dem Markt in die Hand genommen werden. Der in North Carolina in den USA stationierte Softwarehersteller Red Hat wurde vor 28 Jahren gegründet und stieg schnell zu einem wichtigen Player für Services rund um die Betriebssysteme Linux und Unix auf. Es folgten zahlreiche Zukäufe und der Börsengang im Jahr 1999, Monate vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Im Jahr 2012 machte Red Hat als erstes Open-Source-Unternehmen mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz. Vor etwa drei Jahren griff schließlich der IT-Gigant IBM zu und kaufte Red Hat für rund 35 Milliarden Dollar. Damit wurde die Open-Source-Schmiede zu dem wertvollsten Unternehmen im damaligen Markt.
Kampf um die Spitze
Was Bewertungen angeht, musste Red Hat im vergangenen Sommer den ersten Platz jedoch an einen rasant wachsenden Kontrahenten abgeben. Databricks, spezialisiert auf Datenanalyse und künstliche Intelligenz, sicherte sich in einer neuen Finanzierungsrunde rund 1,6 Milliarden Dollar von einer Investorengruppe rund um die Investmentbank Morgan Stanley, womit die Bewertung nun 38 Milliarden Dollar beträgt. Die Gründer des Unternehmens waren keine Unbekannten in der Szene: Databricks ist dem Open-Source-Projekt AMPLab der Universität Berkeley in Kalifornien entsprungen, das auch ein erfolgreiches Datenanalyse-Tool namens Apache Spark hervorgebracht hat. Dessen Gründer, der Entwickler Matei Zaharia, gab das Projekt im Jahr 2013 an die Apache Software Foundation (ASF) ab, eine weitere Großmacht in der Open-Source-Welt.
The „Apache Way“
Die 1999 gegründete Non-Profit-Organisation überwacht mehr als 350 führende Open-Source-Projekte, darunter die weltweit beliebteste Webserver-Software, Apache HTTP Server. Sie speist sich vor allem aus Spenden und Unternehmens-Sponsorings. Auf der Plattform sind rund 850 offizielle Mitglieder tätig, die mit über 8000 „Committern“ zusammenarbeiten – das sind Personen, die den Quellcode einer Software ändern dürfen. Gemeinsam entwickeln sie frei verfügbare Unternehmenssoftware. Zu den Programmen, die auf Apache gebaut wurden, zählen etwa eine Weiterentwicklung von OpenOffice, die führenden Big-Data-Projekte Accumulo, Hadoop und ZooKeeper und die Cloud-Computing-Software CloudStack. Entwickler sprechen auch vom „Apache Way“, der sich bei der Organisation und ihren Projekten durchzieht. Eines der Prinzipien ist die „verdiente“ Autorität: Alle Mitglieder können sich beteiligen, ihr Einfluss basiert aber auf dem individuellen Beitrag für die Gemeinschaft, der ausschlaggebend ist für den Status. Außerdem herrscht bei Apache eine flache Struktur, die vorschreibt, dass die Rollen innerhalb der Community unabhängig vom Titel der Person sind. Außerdem sind alle Stimmen gleich viel wert und alle Beiträge werden auf freiwilliger Basis geleistet.
GitHub – der weltweite Knotenpunkt
Ein weiterer Knotenpunkt der Open-Source-Community ist die Plattform GitHub. Der Dienst erlaubt Entwicklern, Quellcode-Datenbanken zu verwalten, an Projekten zu arbeiten und diese vor allem auch zusammenzuführen sowie abzuspalten. Laut Angaben des Unternehmens verwenden mehr als 65 Millionen Developer und rund drei Millionen Firmen GitHub, auf dem 200 Millionen sogenannte Repositories lagern – also Verzeichnisse, die die Codes enthalten. Seit 2018 befindet sich der Service unter dem Dach von Microsoft, das die in San Francisco beheimatete Firma für 7,5 Milliarden Dollar übernahm.