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Gegengift

In 400 Privatjets nach Glasgow, um die Welt zu retten

Gibt es in diesem Herbst des Missvergnügens denn keine positiven Nachrichten? Doch! Manchmal findet man sie sogar am River Clyde.

Der exklusive Club dogmatischer Optimisten (CdO2) in den Penthouse-Fluchten des Gegengifts hatte am Freitag nach eins genug von all den negativen Schlagzeilen, die in diesem herben Herbst auf uns niederprasseln. Nein, die Corona-Epidemie ist noch lang nicht vorbei, obwohl sie schon von vielen Exzentrikern kurz und klein geredet wurde. Und der Meidlinger Fußballklub Wiener Viktoria muss auf dem vierten Tabellenplatz in der Regionalliga überwintern, weil er es nicht einmal schaffte, die Vienna zu besiegen.

Gibt es denn nichts Erfreuliches zu berichten? Die Kecken in unserer integrationswilligen Gesellschaft für Society und Jugend (SJ) versuchten, die Kollegen, die so gern positiv in die Zukunft blicken würden, zu trösten; das Gute schlafe selbst heutzutage nicht immer, behaupteten sie.

Wie sollte man es denn sonst deuten, dass selbst professionelle Vielflieger zum Klimagipfel in Glasgow angerauscht kamen. Sie sorgen sich um die weite Welt! 400 Privatjets sah die SJ-Reporterin dort im wilden Herzen von Schottland, dann hörte sie zu zählen auf, denn eine weitere Story brach aus. Weil 25.000 von der globalen Krise erhitzte Gemüter angereist waren, gab es Engpässe bei der Unterkunft. 10.000 Betten zu wenig! Jetzt wissen wir, wozu Kreuzfahrtschiffe gut sind. Zwei dieser dampfenden Riesen gingen am völkerverbindenden Flusse Clyde vor Anker, um wenigstens die wichtigsten unter den weniger wichtigen Diplomaten, NGO-Vertretern und anderen Adabeis zu beherbergen.
Da sage noch einer, das Schiffen durch alle sieben Meere sei kolonialistisch und prinzipiell böse! Die Ozean-Schüsseln schleppen nur deshalb Millionen von Pensionisten in die Karibik auf der Suche nach dem verlorenen Paradies oder zu den Polen auf der Suche nach Resten von Eis und ewiger Finsternis, um bei diesen Indigenen industrieller Zivilisationen ein Bewusstsein für die Vergänglichkeit des Lebens zu schaffen. Allein wegen der Mühsal, an Bord mehrmals pro Tag irgendwelche Luxus-Buffets aufzusuchen, nimmt doch keine(r) das Kreuz einer Kreuzfahrt auf sich. Nein, die optimale Reise in 80 Tagen um die Welt sollte künftig immer auch in Glasgow anlegen. Dort gibt es dann Ausflüge zur historischen Stätte, an der Heere von Weltenrettern im Wendejahr 2021 für immer diverse ökologische Fußabdrücke vertieften. Noch ihre Enkel werden sagen: Ohne dieses großartige Happening wäre Glasgow längst im eisfreien Meer versunken.

Mit diesem Exkurs konnten die Mutigen der SJ die Furchtsamen der CdO2 einigermaßen beruhigen. Wichtigeres war dann noch zu klären. Ein Kollege lud alle ein, bei ihm das neue Album von Abba anzuhören. Weit weg vom Clyde sangen wir: „So you left for the city, I hope you like it there.“