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Messe

"Die Presse"-Schau: Lifestyle, wohin das Auge reicht

Erstmals findet die „Presse“-SCHAU in der Marx-Halle statt. Noch bis Sonntag stellen Unternehmen zu den Themen Design, Schmuck, Uhren, Handwerk, Mobilität und Reisen aus.
Erstmals findet die „Presse“-SCHAU in der Marx-Halle statt. Noch bis Sonntag stellen Unternehmen zu den Themen Design, Schmuck, Uhren, Handwerk, Mobilität und Reisen aus.(c) Roland RUDOLPH
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So groß war die „Presse“-SCHAU noch nie: mit über 140 Ausstellern, von der „One-Woman“-Goldschmiede bis zum (wieder optimistischen) Reiseanbieter.

Es surrt und klappert in der Marx-Halle: Ein riesiges Uhrwerk steht gleich hinter dem Eingang und sorgt durchaus für neugierige Blicke.

„Oris Phenomena“ heißt das Werk des Künstlers Charles Morgan. Gewidmet ist es (neben dem Schweizer Uhrenhersteller Oris) der Neugierde des Menschen, zu verstehen, wie die Dinge funktionieren. Nur zu gut also, dass über 140 Unternehmer gekommen sind, um ihre Produkte den Besuchern der „Presse“-SCHAU zu erklären.

Seit November 2013 veranstaltete „Die Presse“ die Designmesse im Museum für angewandte Kunst. Mit dem Zukauf der Reisemesse Reisesalon und der Masterpiece Collection, einer Ausstellung für Manufakturen und Traditionsbetriebe, fiel die Entscheidung, eine eigene Lifestylemesse zu veranstalten. Somit ist die heurige Ausgabe der „Presse“-SCHAU so groß wie nie zuvor – weshalb auch die Marx-Halle neuer Standort ist.

 

Wie man Erbstücke aufhübscht

Die Bandbreite der Aussteller ist groß: Unternehmen aus den Bereichen Design, Handwerk, Mobilität, Reise, Uhren und Schmuck stellen ihre Produkte aus. Und jeder der sorgfältig ausgewählten Aussteller hat eine Geschichte zu erzählen, wie sich bei einem kleinen Streifzug durch die Marx-Halle, kurz vor der Eröffnung am Donnerstagabend, schnell herausstellt.

„Ich bin eine One-Woman-Show“, erzählt etwa Gerda Guggenberger, die gerade noch Schmuckstücke in eine gläserne Vitrine einschlichtet. Von ihrem Vater lernte sie das Handwerk des Goldschmiedens und übernahm die Werkstatt im sechsten Bezirk. Auf Einzelanfertigungen und Reparaturen hat sich die Goldschmiede Guggenberger spezialisiert. „Viele wissen gar nicht, was in vielen Fällen alles möglich ist“, so die Goldschmiedin.

Denn immer wieder hätten vererbte Schmuckstücke zwar einen Erinnerungswert, gefielen den neuen Besitzern aber nicht. „Wenn man aber zum Beispiel den Stein gern mag, kann man bei mir etwas Neues daraus machen und trotzdem die Erinnerung behalten.“ Guggenberger leitet außerdem Workshops, in denen Paare ihre Eheringe selbst gestalten können. Und sie gibt ihr Wissen über das Goldschmieden – wie einst ihr Vater – in einer Schule an die jüngere Generation weiter.

Auch Künstler Michael Bratusa hat das Arbeiten mit Holz von seinem Vater, einem Tischler, gelernt. Sein Stand fällt sofort ins Auge – denn Plastikkatzen thronen auf einem von Bratusas „künstlerischen Katzenbäumen“, wie er sie nennt. Kurz vor Corona gründete er sein Unternehmen Green Rubin, nun stellt er das erste Mal auf einer großen Messe aus. Die Idee für die dekorativen Naturkratzbäume für Katzen entstand, als er für seine eigenen Tiere einen Kratzbaum suchte. „Ich fand nichts, was individuell und schön anzusehen war. Deshalb habe ich dann den ersten Prototyp selbst gebaut“, sagt er. Wichtig ist dem Unternehmer, dass er keine Materialien entsorgen muss. Deshalb wird das Schnittmaterial nach der Produktion der Katzenbäume weiterverarbeitet: zu Christbaumschmuck, Etageren und Schmuckkästchen.

Auch Ronald Jaklitsch experimentiert gern mit Materialien und Formen. Kugelförmige Lautsprecher aus Porzellan und Betonboxen von seinem Unternehmen Mo Sound hat er auf der Messe ausgestellt. „Die Kugelform ist sehr gut für die Akustik“, so Jaklitsch. Auch einen kleinen Plattenladen betreibt er im siebenten Bezirk.

Uhrenliebhaber sind beim Stand von Habring2 richtig: Das Ehepaar Habring hat 2004 eine der wenigen Uhrenmanufakturen im Land gegründet (wer die Geschichte ganz genau nachlesen will, kann das übrigens mithilfe eines überdimensionalen Comics beim Stand tun). Die Uhren sind rar: Jährlich werden nur 250 Stück produziert.

 

Uhren aus der Corona-Edition

Uhrenunternehmer Christof Stein bekam in letzter Zeit gehäuft Anfragen, ob er seinen Firmennamen verkaufen würde, erzählt er. Denn „Normalzeit“ habe seit der Pandemie eine ganz neue Bedeutung bekommen. „Jetzt steht auf meiner Visitenkarte: Hüter der Normalzeit“, erzählt Stein schmunzelnd. Das Unternehmen geht auf die erste Wiener Würfeluhr zurück, die 1907 montiert wurde. Der angebrachte Schriftzug „Normalzeit“ bezog sich auf die 1910 eingeführte Zeitzone der Greenwich-Zeit. 2015 brachte Stein dann die erste Armbanduhr nach Vorlage der Würfeluhr heraus. Die Originalversion sei nach wie vor beliebt – vor allem in „gemeindebaugrau“, wie es Stein nennt.

Zwei seiner neuesten Uhrenmodelle sind übrigens Teil einer Corona-Edition: das Modell „Blackout“ und das Modell „Time to date“, das auf das Lockdown-Ende anspielt. Einige neue Kooperationen gibt es außerdem, mit der die Marke ausgeweitet werden soll. Etwa mit Demmers Teehaus und einem Ceylon-Tee („Time for tea“) oder dem Weingut Mayer am Pfarrplatz mit einem Gemischten Satz („Anytime is wine time in Vienna“).

 

Reisen: „Leute buchen wieder“

Nebenan unter den Reiseanbietern, den Neuzugängen der „Presse“-SCHAU, herrscht vorsichtiger Optimismus. Eigentlich hat das Unternehmen Diamir 120 Länder im Angebot – mittlerweile sind es zumindest wieder 100. Schon bei den Reisesalon-Ausgaben war Diamir wiederholt Aussteller. „Jetzt war es uns wichtig, bei der ersten großen Reisemesse in Österreich zu zeigen, dass wir noch immer da sind“, so Thomas Mach, der den Stand betreut. „Es geht wieder los, und die Leute sind zum Glück buchungsfreudig.“

AUF EINEN BLICK

Donnerstagabend wurde in der Marx-Halle die „Presse“-SCHAU eröffnet: Bis Sonntag findet Österreichs größte Messe für anspruchsvolle und qualitätsbewusste Käuferinnen und Käufer statt. Tickets sind an der Tageskasse oder online (unter https://schau.diepresse.com) erhältlich und kosten 15 Euro. Samstag ist von 10 bis 19 Uhr geöffnet, am Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Es gilt die 2-G-Regel (geimpft oder genesen).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2021)