ORF: Wrabetz strebt Oberhauser-Ablöse an

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OberhauserBeurlaubung ORFWrabetz Abloese(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
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Nach seinem Zwangsurlaub wird Oberhauser wohl nicht mehr in sein Amt zurückkehren: ORF-Chef Wrabetz will einen neuen Informationsdirektor. Das "Vertrauensverhältnis sei zu schwer erschüttert".

Im Konflikt mit dem beurlaubten Informationsdirektor Elmar Oberhauser strebt ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz offensiv dessen Ablöse an. Das Vertrauensverhältnis sei aus seiner Sicht "zu schwer erschüttert", um den Informationsdirektor im Amt zu lassen, sagte Wrabetz im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "profil". Offen lässt Wrabetz lediglich, ob dies in Form einer "gütlichen Trennung" oder über einen Abwahlantrag im ORF-Stiftungsrat erfolgen soll.

Den Abwahlantrag gegen Oberhauser im Stiftungsrat will sich Wrabetz nach Möglichkeit ersparen, sagte er. "Ich hoffe, dass wir das anders klären können." Im Amt will er den Informationsdirektor jedenfalls nicht mehr belassen.

Stichtag für die Einbringung eines solchen Antrags ist der 4. November, der Stiftungsrat tagt am 11. November. Der Informationsdirektor könnte mit einfacher Mehrheit von dem 35-köpfigen Aufsichtsgremium abgewählt werden. Diese dürfte dem Vernehmen nach zustande kommen.

"Es geht mir darum, dass wir in der Geschäftsführung vertrauensvollen Umgang miteinander pflegen und dass die Rollen klar verteilt sind. Darum wird es wohl auf eine Klärung mit Elmar Oberhauser hinauslaufen." Dass er eine gütliche Trennung befürwortet, begründet Wrabetz so: "Einer der Auslöser des Konflikts war ja, dass er selbst angekündigt hat, er werde zurücktreten."

"Muss klar sein, wer welche Rolle hat"

Er sei nicht der erste ORF-Chef, der ein Geschäftsführungsmitglied absetzt, betonte Wrabetz. Gerd Bacher habe dies mit Ernst Wolfram Marboe gemacht und Gerhard Zeiler mit seinem Technischen Direktor, betonte er. "Ich habe mir das weder ausgesucht noch gewünscht, aber es muss im Unternehmen klar sein, wer die Führungsverantwortung hat, wer welche Rolle hat und dass diese Rollenverteilung auch respektiert und akzeptiert wird."

Oberhausers Vorwürfe über politische Interventionen bei der Bestellung von TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher - er gilt als "roter" Personalwunsch - lässt Wrabetz nicht gelten: "Ich weise zurück, dass es da eine Einmischung gegeben hat, und sage auch ganz klar: Es hat mir gegenüber keine Partei eine bestimmende Äußerung abgegeben."

Keine Nachbesetzung für Oberhauser vor Wahl

Bei einer Absetzung Oberhausers werde der Posten des Informationsdirektors "jedenfalls nicht kurzfristig nachbesetzt", sagte Wrabetz. Konkretes werde er mit dem Stiftungsrat klären.

Künftig sei aber "ohnehin klar, dass die Zahl der Direktoren reduziert wird", gab er zu bedenken. Laut ORF-Gesetz wird es in der nächsten Geschäftsführungsperiode statt sechs nur mehr vier Bereichsdirektoren geben. Gewählt wird im Sommer 2011.

Wrabetz hatte Oberhauser am vergangenen Freitag beurlaubt, nachdem dieser in einem internen Rundmail heftige Kritik an der Bestellung von Dittlbacher zum TV-Chefredakteur geübt und von einem "Diktat" sowie von "völlig unzulässigen Einmischungen, in diesem Fall von der SPÖ" gesprochen hatte.

(APA)

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